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Benoit Desjardins: “Dieser Film ist eine Hymne auf die Freiheit!…”

Bereitgestellt von am Wednesday, 5 March 2014.    99 views Kein Kommentar
Benoit Desjardins: “Dieser Film ist eine Hymne auf die Freiheit!…”

Der junge und inspirierende Filmemacher Benoit Desjardins hat “Welcome Yankee“, einen Kurzfilm ĂĽber die Geschichte einer tschetschenischen Familie, in Quebec/Kanada im November 2012 veröffentlicht. Bisher hat der Film 3 Auszeichnungen in Griechenland, der TĂĽrkei und den Vereinigten Staaten eingespielt. Unser Team fĂĽhrte ein bemerkenswertes Interview mit Herrn Desjardins.

Wer ist Benoit Desjardins?

Benoit Desjardins ist ein Anthropologe und Filmemacher. Er lebt und arbeitet in seiner Heimatstadt Montreal. Er ist Absolvent des Kinematographie-Programms der Universität von Montreal und er grĂĽndete im Jahre 2006 die Produktionsfirma “The Perception Productions”. Seitdem hat er mehrere Kurzfilme produziert und Regie gefĂĽhrt, einschlieĂźlich der Filme “History of Fishing (2008)” und “Chewing Gum (2010)”. Mit diesen Filmen hat er an diversen Filmfestivals teilgenommen und mehrere Auszeichnungen gewonnen. Benoit Desjardins arbeitet zurzeit an der Produktion einer Trilogie zum Thema Auswanderung. Der erste Teil heiĂźt “Welcome Yankee” und erzählt die Geschichte eines tschetschenischen Paares, das vor dem Krieg flĂĽchtet und Asyl sucht.

Marsho: Wie beschreiben Sie Ihren Film “Welcome Yankee”?

Benoit Desjardins: Mein Film ist eine Hymne auf die Freiheit und Gleichheit von Menschen. Jeder Mensch auf Erden sollte das Recht haben, sich auf demokratischem Wege zu verwirklichen. Es sind aber immer noch zu viele Minderheiten Gegenstand der Macht von Mehrheiten, die Kontrolle ist das Resultat eines Krieges, der unlängst oder weit in der Vergangenheit stattfand und durch den Tier im Menschen verursacht wird. Es ist unfassbar, dass sich im 21. Jahrhundert Menschen immer noch gewaltsam aneignen können, was sie möchten. FĂĽr wen und fĂĽr was? Wir alle kommen auf dem gleichen Boden auf die Welt, das sollten wir zumindest, da sich keiner weder die Zeit noch den Ort seiner Ankunft aussuchen kann. “Welcome Yankee” ist auch ein Film ĂĽber die Freiheit, in der man das Reichtum teilt, BĂĽrger einer Heimat zu sein.

Marsho: Kannten Sie Tschetschenen vor diesem Projekt?

Benoit Desjardins: Bevor ich dieses Projekt begann, wusste ich sehr wenig über die Tschetschenen und ihre Geschichte. Ich hatte von den jüngsten Kriegen gehört aber nie Tschetschenen getroffen. Aus filmischer Sicht fand ich es wirkungsvoll, Flüchtlinge zu inszenieren, die äußerlich Nordamerikanern glichen, um die Identifikation mit den Charakteren zu verstärken und zum Nachdenken zu bewegen ob unserer Verantwortung als Bürger eines Gastlands. Neben der äußeren Ähnlichkeit (Kaukasisch), gab es auch eine geographische (nördliches Gebiet), geopolitische (eine Minderheit in einer Mehrheit, die sich unter dem Einfluss des Landes verändert) und historische Ähnlichkeit (Streben von Quebec nach Unabhängigkeit). In der Tat erinnerte mich die Geschichte von Quebec zu Zeiten der britischen Eroberung von Neufrankreich im Jahre 1759 an den tschetschenischen Konflikt im letzten Jahrzehnt. 250 Jahre später ist Quebec immer noch nicht unabhängig, aber der Reichtum, in einem demokratischen Land zu wandeln, gibt einem die Freiheit, trotz allem friedlich in unserer Sprache und Kultur zu wachsen und zu streben, während wir uns aktiv am politischen Geschehen auf nationaler Ebene beteiligen können.

Marsho: Wie kam es zu der Entscheidung, einen Film ĂĽber Tschetschenen zu drehen?

Benoit Desjardins: In den Besprechungen und aufgrund der gesammelten Informationen war ich ergriffen von der tschetschenischen Sache und beschloss, die Geschichte in einem echten Konflikt zu verankern. Dennoch möchte ich nicht, dass dieses Element im Film zu sehr ausgereizt wird. Ich wünsche mir, dass der Film eine Hymne auf die Freiheit wird, da diese Botschaft eine universelle Bedeutung hat für alle Flüchtlinge der Welt und nicht nur für die Tschetschenen.

Marsho: Haben Sie sich vor dem Projekt mit Tschetschenen beraten oder gab es einen Tschetschenen in Ihrem Team?

Benoit Desjardins: Ich begann meine Recherchen in Frankreich und führte diverse Interviews mit tschetschenischen Flüchtlingen, die zugestimmt hatten, ihre Geschichten zu erzählen. Ich sammelte ausreichend Informationen, um das Drehbuch für einen Spielfilm zu schreiben. Dennoch konnte ich ein so großes Projekt als junger Filmemacher nicht umsetzen. Zudem hatte die Finanzierung von Kurzfilmen gerade begonnen.

Einmal traf ich Birlyant Ramzaeva und ihre zwei Töchter in Montreal im Exil. Dieses Treffen war von entscheidender Bedeutung in vielerlei Hinsicht. Birlyant und ihre Tochter Aset beteiligten sich in verschiedenen Phasen der Produktion, selbst bei kleinsten Details. Wir arbeiteten das Drehbuch erneut aus. Sie gingen auch an die Übersetzung der Dialoge aus dem Französischen ins Tschetschenische. Anschließend arbeiteten sie auch eng mit den Schauspielern Noémie Godin-Vigneau und Danny Gilmore zusammen, um ihnen die tschetschenische Sprache beizubringen. Dadurch wurden deren Kenntnisse in den Dialogen einwandfrei. Einen Monat vor dem Dreh haben wir dann Trainingseinheiten gestartet. Verschiedene Klänge und Töne der tschetschenischen Sprache unabhängig von der französischen Sprache und das Erlernen der Sprache stellten eine Herausforderung für die Schauspieler dar. Deshalb, um der Authentizität willen, begleiteten Aset und Birlyant uns während des gesamten Drehs und der Nachbearbeitung, bis auch die letzten Korrekturen in der Sprache vorgenommen waren. Es war essentiell, dass die Aussprache des Tschetschenischen perfekt ist und die Schauspieler sich diesem Ziel gänzlich hingeben. Aset und Birlyant arbeiteten auch sehr eng mit dem künstlerischen Leiter (Art Director) und dem Kostümbildner zusammen. Sie unterstützten uns dabei, eine Wohnung im Zentrum von Montreal in ein tschetschenisches Haus auf dem Land umzuwandeln, indem sie uns Teppiche und andere dekorative Elemente bereitstellten. Was die Details betrifft: die Ohrringe, die Noémie Godin-Vigneau im Film trug, gehören Amant, der Großmutter von Birlyant. Das inspirierte auch zum Namen des Charakters “Naomi”. Und die Musik von Birlyant begleitete mich während des gesamten Drehs und der Nachbearbeitung des Films, aufgrund der Tiefe und Genauigkeit ihrer Gefühle. Ohne die Musik und ohne ihre Anleitung und Unterstützung, wäre der Film nicht das, was er heute ist.

Marsho: Wir wissen, dass mit dem Ausdruck “Yankee” Amerikaner bezeichnet werden, aber in Ihrem Film geht es um ein tschetschenisches Paar. Weshalb haben Sie den Filmtitel “Welcome Yankee” gewählt?

Benoit Desjardins: Zunächst gibt es da eine direkte Verbindung zur Kappe, die Aslan, der Hauptdarsteller im Film, trägt. Bei der Ankunft am Hafen nennen ihn die kanadischen Beamten Yankee. Allerdings lebt Aslan Lichtjahre entfernt vom Baseball und von den New York Yankees. Der Sinn dahinter ist unsere Angewohnheit, eine Marke sehr schnell mit etwas in Verbindung zu bringen, was wir nicht kennen, wir pflegen Vorurteile ohne es zu verstehen, ohne zu wissen, insbesondere wenn es darum geht, Einwanderer zu beschreiben, die wir häufig als Eindringlinge wahrnehmen. Die Definition des Wortes „Yankee“ im Song von Richard Desjardins, der den Abspann des Films begleitet, geht auch in diese Richtung. Nach seiner Aussage stammt das Wort ursprĂĽnglich von den eingeborenen Amerikanern ab und Yankee bedeutet “Eindringling”. Die eingeborenen Amerikaner der amerikanischen OstkĂĽste verwendeten es, um englische Kolonisten zu bezeichnen, die in Amerika landeten. Letztendlich ist es auch ein Hinweis auf die Tatsache, dass Logos und Verbraucherprodukte weltweit reisen, unabhängig von Grenzen, während es sich fĂĽr den Einzelnen ganz anders darstellt.

Marsho: Haben Sie eine Mitteilung an unsere Leser?

Benoit Desjardins: Ich möchte Sie gerne einladen, unsere Facebook-Seite zu abonnieren und unsere Webseite http://www.welcomeyankee.com zu besuchen, um unserer Welttournee zu folgen. Es ist auch ein Webcast mit tschetschenischen Untertiteln für 2014 geplant.

*Das Interview erschien erstmalig in der tschetschenischen Monatszeitschrift “Marsho“. Es wurde von Waynakh Online ĂĽbersetzt.

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