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Interview mit “The Aftermath”

Bereitgestellt von am Saturday, 2 November 2013.    63 views Kein Kommentar
Interview mit “The Aftermath”

Marsho“, eine monatlich erscheinende tschetschenische Zeitschrift in tĂĽrkischer Sprache, hat ein besonderes Interview mit den Bandmitgliedern von “The Aftermath” gefĂĽhrt, welche 2004 durch zwei inguschische Schwestern in Moskau gegrĂĽndet wurde. Die zwei talentierten Schwestern Taita und Fatima Matieva schreiben und komponieren ihre eigenen Songs in englischer Sprache und teilen dabei ihre Welt mit uns. Wenn man ihren Songs zuhört, verliert man sich in ihren magischen Stimmen und den beeindruckenden Texten. Insbesondere wenn man vernimmt, dass sie keine musikalische Ausbildung genossen haben, kann man ein Staunen nicht unterdrĂĽcken. Die Band hat ihr erstes Album “I follow song” 2006 veröffentlicht und ihr zweites Album “Charming October” im letzten Jahr. Lernen wir Taita und Fatima kennen.

Marsho: Wie wurde euer Interesse fĂĽr Musik geweckt?

The Aftermath: Als wir noch in Grosny lebten (damals die Hauptstadt der Tschetscheno-Inguschischen Republik), hatte unser Vater eine große Sammlung von Schallplatten: Blues, Folk, Jazz, Rock, Soul, Country etc. Das hatte vermutlich seine Auswirkungen auf uns. Der unvergesslichste Moment war jedoch der, als Papa die Beatles Platten auflegte. Es war eine Sammlung ihrer Songs, größtenteils waren das Songs aus dem “White Album”. Nebenbei bemerkt ist das immer noch eines unserer Lieblingsalben. Wir haben uns in die Musik verliebt. Dann wurden wir in den englischen Folk einbezogen und wurden danach süchtig nach Root Blues etc. Später waren wir von der klassischen Musik angetan, insbesondere Barock, unser Favorit unter den Komponisten ist Bach. Wir haben sehr viel Instrumentalmusik von Ennio Morricone, Paul Mauriat, Leonard Bernstein etc. gehört. Anschließend haben wir angefangen, Musik aus verschiedenen Nationen zu hören. Wir lieben zudem auch die Musik der Natur: Vogelgesang, Regengeräusche, Meeresrauschen, der Wind etc. Ich würde sagen, wir lieben die Musik schon von unserer Geburt an. Wie kann man sie nicht lieben? Musik ist untrennbar verbunden mit allem, was uns umgibt – die Menschen.

Marsho: Wie kam es zu dem Entschluss, eine eigene Band zu grĂĽnden?

The Aftermath: Es war unser Traum, seit wir an der Schule sind. Wir dachten jedoch und glauben immer noch, dass man in der Lage sein muss, eigene Songs zu schreiben, um eine Gruppe zu grĂĽnden. Denn ohne wĂĽrden wir uns nicht wie eine Band fĂĽhlen, wie echte KĂĽnstler. Deshalb, sobald das eintrat, wurde die Entstehung unserer Gruppe unvermeidbar.

Marsho: Warum habt ihr euch fĂĽr “The Aftermath” entschieden? Was bedeutet das?

The Aftermath: Aftermath ist ein sehr schönes Wort aus phonetischer Sicht, weiĂźt du. Zuallererst steht das Wort “Aftermath” fĂĽr “Konsequenzen”. Wir wurden in Grosny geboren und wuchsen dort auf, wir haben unsere Heimat verlassen infolge des Kriegs. Wir denken, dass unsere Musik geboren wurde als Antwort auf die Erfahrungen, die wir gemacht hatten und aus diesem Grund haben wir beschlossen, uns “Aftermath” zu nennen.

Marsho: Taita, soweit wir wissen, bist du promovierte Mathematikerin und deine Schwester Fatima hat den Bachelor-Abschluss im Fach Linguistik. Ist Musik ein Hobby, ein Parttime-Job oder ein Beruf fĂĽr euch?

The Aftermath: NatĂĽrlich ist die Musik nicht nur ein Hobby, aber es ist auch schwer, ausreichend Geld nur mit der Musik zu verdienen. Insbesondere in Russland. Deshalb ist es ein Parttime-Job. Um ehrlich zu sein kann ich es auch nicht einen Job nennen. Da wir die Musik ĂĽber alles lieben.

Marsho: Warum habt ihr euch entschieden, englische Texte zu schreiben und zu singen?

The Aftermath: Ich wĂĽrde sagen, weil wir die englische Sprache seit unserer frĂĽhen Kindheit lieben. Unserer Meinung nach sind die Musik und die Sprache eng miteinander verbunden und das bedeutet, dass die Wurzeln unserer Musik (Blues, Jazz, Folk, Rock) Englisch und Amerikanisch sind. Generell haben wir jedoch nie darĂĽber nachgedacht, es kam einfach so.

Marsho: Wie fĂĽhlt es sich an, in Englisch zu singen, in einem russischsprachigen Land?

The Aftermath: Wir denken nicht über die Sprache nach, wenn wir singen. Denn die Musik ist selbst schon eine Sprache. Gegenwärtig ist es sehr hart, in Russland Musiker, Künstler, Schöpfer jeglicher Arten von Kunst zu sein, auch wenn man es in Russisch macht.

Marsho: Euer erstes Album “I follow song” wurde 2006 veröffentlicht, das Zweite “Charming October” jedoch erst in 2012, warum hat es so lange gedauert?

The Aftermath: Das weiß ich wirklich nicht. Ich denke aber, weil wir eben Perfektionisten sind. Wir hätten es viel früher schaffen können, wir hatten ausreichend Songs und sie waren aufnahmebereit. Wir haben sie 2008 zum ersten Mal aufgenommen, aber waren mit dem Ergebnis nicht zufrieden. Jetzt haben wir neue Songs geschrieben und sind fast soweit, ein drittes Album zu veröffentlichen. Ich vermute, dass wir dieses Mal nicht “auf Zeit” spielen werden und es nächstes Jahr bereits herausbringen.

Marsho: Auf eurem letzten Album befindet sich ein Song mit dem Namen “Some time ago” und zum ersten Mal spielt ihr auf der Dechig-Pandur (Anmerkung der Redaktion: ein tschetschenisches Saiteninstrument), dĂĽrfen wir mehr traditionelle Musik erwarten?

The Aftermath: Wir haben diesen Song im Nordkaukasus geschrieben, in der Nähe unserer Berge. Wir hörten etwas Tradition darin und beschlossen deshalb, unser traditionelles Volksmusikinstrument Dechig-Pandur einzusetzen. Isa Mezhidov (der die traditionelle Musik hervorragend auf der Dechig-Pandur spielen kann, aber nie für diese Musikrichtung) hat diesen Song gespielt. Ich erinnere mich, wie ich versuchte ihm zu erklären, welche Akkorde ich auf der Gitarre verwende und er versuchte, es auf dem Instrument nachzuspielen. Letztendlich hat uns gefallen, was wir geschaffen haben.

Marsho: Werdet ihr auch traditionelle Tschetscheno-Inguschische Songs covern?

The Aftermath: Wir lieben unsere traditionelle Musik sehr und es ist durchaus möglich, dass wir einige Cover aufnehmen. Beispielsweise können wir einen Song covern, welches unsere Oma geschrieben hatte. Sie hat in ihrer Jugend komponiert und sie war eine wundervolle Harmonikaspielerin. Einige ihrer Lieder sind heute sehr bekannte Volkslieder, aber unsere Älteren erinnern sich noch, dass sie diese Lieder komponiert hatte. Es ist wirklich erfreulich, das zu wissen.

Marsho: Vielen Dank fĂĽr eure Zeit. Wir wĂĽnschen euch viel Erfolg und viele Fans.

The Aftermath: Wir danken fĂĽr das Interview.

*Ihr könnt “The Aftermath” auf Facebook und Youtube folgen und/oder ihre Songs von den AppStores downloaden.

**Das Interview wurde erstmalig in der September-Ausgabe von “Marsho” im Jahre 2013 veröffentlicht, von Waynakh Online ĂĽbersetzt.

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