Archivdokumente

Alte Artikel, Pr├Ąsentationen, Vortr├Ąge, Reden mit Bezug zu Tschetschenien.

B├╝cherregal

Informationen ├╝ber B├╝cher mit Bezug zu Tschetschenien und den Tschetschenen.

Gedichte

Gedichte ├╝ber das tschetschenische Volk sowie Gedichte von sehr ber├╝hmten Tschetschenen

Lyrics

Songtexte von sehr ber├╝hmten, tschetschenischen Liedern abrufen, h├Âren und downloaden.

Tschetschenische Kultur

Artikel, Materialien und vieles mehr zur tschetschenischen Kultur.

Home » Artikel

Spuren des aktuellen Mords an einem tschetschenischem Konsul in der T├╝rkei zeigen nach Russland

Bereitgestellt von am Thursday, 14 November 2013.    157 views Kein Kommentar
Spuren des aktuellen Mords an einem tschetschenischem Konsul in der T├╝rkei zeigen nach Russland

Vor dem Hintergrund der Vorg├Ąnge um die tschetschenischen Br├╝der Tamerlan und Dschochar Tsarnaev, die beschuldigt werden, die terroristischen Anschl├Ągen w├Ąhrend dem Boston-Marathon ver├╝bt zu haben, und des Mordes eines weiteren Tschetschenen, Ibragim Todaschew, der in Verbindung mit den Br├╝dern stand, blieb der Mord eines Tschetschenen in der T├╝rkei unbemerkt. Medet ├ťnl├╝, Honorarkonsul der Tschetschenischen Republik Itschkeria, wurde in der t├╝rkischen Hauptstadt Ankara ermordet. ├ťnl├╝ war Achmed Sakajews Repr├Ąsentant in der T├╝rkei und ein offizieller Repr├Ąsentant der Tschetschenen, die die Unabh├Ąngigkeit anstreben.

├ťnl├╝ wurde im B├╝ro des Repr├Ąsentanten der Tschetschenischen Republik Itschkeria ermordet, die Position, die er innehatte. ├ťberwachungskameras hatten zwei Verd├Ąchtige auf dem Parkplatz in der N├Ąhe des B├╝ros aufgenommen. Gem├Ą├č den Ermittlern hatten die Verd├Ąchtigen vorgegeben, sie seien tschetschenische Gesch├Ąftsm├Ąnner und hatten einen Termin f├╝r einen Abend mit ihm vereinbart, an dem er allein war. Einer von ihnen wartete im Auto, w├Ąhrend der Andere den Diplomaten mit einer Waffe erschoss, die mit einem Schalld├Ąmpfer ausgestattet war. Murat Alu├ž, ein t├╝rkischer B├╝rger, der in der t├╝rkischen, kriminellen Unterwelt als Onkel Murat (ÔÇťDay─▒ MuratÔÇŁ) bekannt ist, war in Verbindung mit dem Mord auf der Fahndungsliste der Polizei, als er nach der Tat verschwand. Alu├ž wurde schon einmal zu 2 Jahren Haft verurteilt, da er in organisierte Verbrechen involviert war.

W├Ąhrenddessen hatte die t├╝rkische Polizei 3 Tatverd├Ąchtige eingesperrt, jedoch wurde einer von ihnen, der M├Ârder selbst, nach einer kurzen Befragung freigelassen. Der Name des M├Ârders war Ruslan Kemal, a.k.a. Rizvan E., ein ethnischer Tschetschene, dessen vollst├Ąndigen Namen die t├╝rkischen Ermittler nicht enth├╝llten. Mehrere Tage nach seiner Freilassung hatte die Polizei festgestellt, dass er der Organisator des Mordes war. Die Ermittler waren jedoch nicht mehr in der Lage, ihn aufzusp├╝ren. Die Ermittler entdeckten, dass der M├Ârder 30.000 t├╝rkische Lira ($ 16.000) f├╝r den Mordauftrag erhielt. Laut der t├╝rkischen Zuwanderungsbeh├Ârde flog der Tatverd├Ąchtige Ruslan Kemal nach Russland, sobald er freigelassen wurde. T├╝rkische Beh├Ârden hatten Moskau darum gebeten, ihn zu finden und auszuliefern. Ungleich vorangegangener F├Ąlle von Morden an Tschetschenen in der T├╝rkei, hatten die M├Ârder diesmal einen ermordet, der Kontakte hatte zum Premierminister des Landes und zu anderen wichtigen, t├╝rkischen Politikern. Es w├Ąre also m├Âglich, dass die Polizei sich ernsthaft bem├╝ht, den Fall zu l├Âsen. Sollten einflussreiche Personen aus Russland in den Fall verwickelt sein, werden die t├╝rkischen Beh├Ârden jedoch nicht gewillt sein, ihre Beziehungen zu Moskau zu gef├Ąhrden wegen eines Mordes an einem tschetschenischen Aktivisten.

Medet ├ťnl├╝ war ein ethnischer Tschetschene und ein Nachfahre der Tschetschenen, die zum Ende des 19. Jahrhunderts ins Osmanische Reich umsiedelten. Er wurde in der tschetschenischen Kleinstadt ├çardak, die zur t├╝rkischen Provinz Kahramanmara┼č geh├Ârt, geboren. ├ťnl├╝ war ein erfolgreicher Gesch├Ąftsmann und half Bef├╝rwortern der tschetschenischen Unabh├Ąngigkeit zwei jahrzehntelang. Es ├╝berrascht nicht, dass ├ťnl├╝ÔÇÖs Familie sofort Ramsam Kadyrow als Hintermann beschuldigte. Achmed Sakajew, politischer Emigrant in London und ein langj├Ąhriger, tschetschenischer Unabh├Ąngigkeitsaktivist, beschuldigte den russischen Staatssicherheitsdient des Mordes an ├ťnl├╝.

├ťnl├╝ÔÇÖs Mord entfachte einen Sturm der Entr├╝stung in der kaukasischen Gemeinde der T├╝rkei und es gab Proteste vor dem Russischen Konsulat in Istanbul und der Russischen Botschaft in Ankara. Die Protestanten beschuldigten Russland, den Mord orchestriert zu haben. Das t├╝rkische Fernsehen berichtete ├╝ber viele Organisationen, die mit der tschetschenischen Diaspora in der T├╝rkei zusammenarbeiten. Ein Mitglied des T├╝rkischen Komitees f├╝r Verbindungen mit dem Kaukasus, Mehdi N├╝zhet ├çetinba┼č, ├Ąu├čerte, dass der Mord an ├ťnl├╝ darauf abzielte, die kaukasische Diaspora in der T├╝rkei und die Fl├╝chtlinge aus dem Kaukasus einzusch├╝chtern.

Das ist nun schon der zweite t├╝rkische B├╝rger tschetschenischer Abstammung, der sich in den letzten Jahren f├╝r die Belange der Tschetschenen einsetzte, die f├╝r die Unabh├Ąngigkeit waren, und ermordet wurde. Davor wurde der Leiter des Tschetschenischen Komitees Necdet G├╝n in seinem Haus angegriffen und ermordet. Beide Opfer waren Mitglieder der tschetschenischen Diaspora, die nach dem Russisch-Kaukasischen Krieg des 19. Jahrhunderts in die T├╝rkei umgesiedelt sind.

Es sollte insbesondere erw├Ąhnt werden, dass seit dem zweiten Russisch-Tschetschenischen Krieg im Jahre 1999 sechs Tschetschenen und ein Karatschaier, der die Interessen des – virtuellen – Kaukasischen Emirats (bewaffneter Widerstand im Nordkaukasus) vertrat, ermordet wurden.

Am 16. September 2008 wurde ein fr├╝herer tschetschenischer Militant, Gaji Edilsultanov, in Istanbul ermordet ÔÇô ein Fall, der breit diskutiert wurde im t├╝rkischen Fernsehen und den Medien. Ein Killerteam aus 3 Personen kam am Istanbuler Flughafen aus Russland an und verlie├č das Land umgehend nach dem Mord. Einer von Ihnen wurde sogar verletzt bei diesem Anschlag.

Am 9. Dezember 2008 wurde der fr├╝here, tschetschenische Kriegsveteran Islam Janibekov ermordet. Am 27. Februar 2009 wurde der fr├╝here Feldkommandant Musa Ataev durch 3 Kopfsch├╝sse in Istanbul ermordet. Am 16. September 2011 wurden 3 Mitglieder der tschetschenischen Diaspora in der T├╝rkei, Bergh-Khazh Musaev, Rustam Altemirov und Zaurbek Amriev mitten in Istanbul erschossen. Musaev war mutma├člich ein Verb├╝ndeter des Anf├╝hrers des sogenannten Kaukasus-Emirats Doku Umarow. T├╝rkische Medien sahen in allen Mordf├Ąllen Spuren nach Russland. Am 8. Oktober 2011 wurde ein Mordanschlag auf den fr├╝heren Vorsitzenden des Obersten Scharia-Gerichtshofs von Itschkeria, Shamsuddin Batukaev, ver├╝bt. Auch hier gab es eine Verbindung nach Russland. Das Gemetzel zeigt, dass es sich nicht um einfache Auseinandersetzungen innerhalb der Diaspora handelt, sondern um eine gezielte Aktion der russischen Beh├Ârden gegen Immigranten aus dem Nordkaukasus in der T├╝rkei, die gegen die russische Politik im Nordkaukasus waren.

Der schamlose Mord an einem t├╝rkischen B├╝rger in der t├╝rkischen Hauptstadt, der sich f├╝r die tschetschenischen Belange einsetzte, ist nichts weiter als eine Machtdemonstration derer, die die Tschetschenen im Ausland zum Schweigen bringen wollen. Jegliche politische Aktivit├Ąten im Ausland, die den Nordkaukasus betreffen, werden von den russischen Beh├Ârden nerv├Âs be├Ąugt. Russland unternimmt alles, um jeden einzusch├╝chtern, der mit der Politik im Nordkaukasus ÔÇô insbesondere in Tschetschenien ÔÇô unzufrieden ist. Dieser aktuelle Kriminalfall war sicher nicht der Letzte. Solange die t├╝rkischen Beh├Ârden keine klare Stellung beziehen zu den politischen Morden von tschetschenischen Aktivisten, werden die M├Ąchte, die gegen die Aktivisten im Nordkaukasus k├Ąmpfen, z.B. der russische Staatssicherheitsdienst, weiterhin alles in ihrer Macht stehende tun, um die tschetschenischen Separatisten, die in die T├╝rkei geflohen sind, zu schw├Ąchen. Aus diesem Grund werden sich Morde an Tschetschenen in der T├╝rkei immer wieder ereignen.

Mairbek Vatchagaev
Eurasia Daily Monitor Volume: 10 Issue: 107
6. Juni 2013 ÔÇô The Jamestown Foundation

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Schreiben Sie einen Kommentar oder erzeugen Sie einen trackback zu Ihrer eigenen Seite. Sie k├Ânnen die Kommentare zu diesem Beitrag auch subscribe to these comments via RSS.

Bitte bleiben Sie h├Âflich. Seien Sie ehrlich. Keine Off-Topic-Beitr├Ąge. Kein Spam.

You can use these tags:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

This is a Gravatar-enabled weblog. To get your own globally-recognized-avatar, please register at Gravatar.