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Anstandsregeln bei tschetschenischen Hochzeitsbräuchen

Bereitgestellt von am Monday, 7 October 2013.    2,352 views Kein Kommentar
Anstandsregeln bei tschetschenischen Hochzeitsbräuchen

Traditionelle, tschetschenische Hochzeitszeremonien, wie auch andere Volksbräuche, zeugten insgeheim von Zusammenhalt. Es schloss gemeinsam gesungene Lieder, Tanz, Musik, Pantomime und Erzählungen mit ein, die zusammengenommen ein großes Spektakel waren.

Die Elemente einer tschetschenischen Hochzeitszeremonie, das Pferdereiten, die Vorstellung der Braut im Haus des Bräutigams, die Bekanntschaft mit der Braut, das Bringen der Braut an den Fluss, der Besuch des zukünftigen Bräutigams bei den Verwundeten der Braut sind Hauptmerkmale der tschetschenischen Theaterdarbietungen, die Massenkreativität, Originalität, facettenreiche nationale Formen, Umfang und Tiefen der volkstümlichen Phantasie manifestieren.

Im Allgemeinen sind in den Szenen einer tschetschenischen Hochzeit die spielerischen Spektakelelemente und die Gesichtsausdrücke sehr gut ausgereift. Das wird auch erkennbar aus dem Begriff, den man für die tschetschenische Hochzeit verwendet, dem “Lovzar, was “Spiel” bedeutet.

Hochzeitszeremonien unter Tschetschenen und Inguschen haben Unterschiede. Bei den Inguschen wird es als Unheil betrachtet, wenn das Mädchen ohne den Segen der Eltern heiratet, während Tschetschenen daran nichts Falsches finden. Manchmal wählen ihre Verwandten diesen Weg, um sich zusätzliche Kosten zu ersparen, die Hochzeitszeremonien mit sich bringen.

Zur vereinbarten Zeit geht der Bräutigam mit seinen Freunden an einen entsprechenden Ort (Ausgangsort der Braut) und er nimmt das Mädchen mit. Das wird als Heiraten (Marie Yakhar) oder Hochzeit (Zuda Yalor) betrachtet. Die Braut wird zum Haus seines Freundes, Schwagers oder einem Verwandten der Braut (Zuda Yossar – Vorübergehender Aufenthalt der Braut) gebracht, um bestimmte Formalitäten zu regeln. Es ist erforderlich, einen Mann zu schicken (Stag Vakhiitar), zur Information der Verwandten bezüglich des Heiratswunsches der Braut, zur Versöhnung (Tam Bar), “Ablösezahlung” an die Verwandten (Yoikhana oder Kyovlam), Vorbereitung der Braut zur Hochzeit (Nuskal Kechdar), falls die Eltern ihr Kleidung schicken, zu Nähen und zu Kaufen, was immer sie benötigt. Das hält eine Woche lang an und manchmal auch länger. Und die ganze Zeit über wird die Hochzeit (Lovzar) vorbereitet.

Am Tage ihrer Hochzeit wird der Braut ein Gefolge (Zamuoi) geschickt, einschließlich der Freunde des Bräutigams (Nevzan Nakyosk oder Trauzeugen).

Auf dem Weg zur Braut und zurĂĽck versetzt sich der Heiratsumzug in eine ausgelassene Stimmung. Sie spielen Harmonika und schieĂźen mit einem Feuergewehr. FrĂĽher demonstrierten tschetschenische Reiter ihre SchieĂź-/ Fecht- und ReitkĂĽnste.

Auf dem Weg können die Verwandten der Braut oder die Dorfjungen den Hochzeitsumzug mit einer Burka (Schafsfellmantel) oder einem Seil, das über der Straße gespannt ist, anhalten und ein “Ablösegeld” verlangen. Das Geld wird bezahlt, wenn die Braut das Elternhaus verlässt (Ney lazar – Geld für das Aufhalten der Tür).

Die Braut wird zum Haus des Bräutigams gebracht und man führt sie mit ihrem gesamten Hochzeitskostüm an einen Ehrenplatz im Raum, gewöhnlich eine Zimmerecke in der Nähe eines Fensters, welche gegenüber dem Eingang liegt. Sie wird mit einem Hochzeitsschleier (Kirkhya) bedeckt.

Anschließend gibt man der Braut ein Kind an die Hand (gewöhnlich der erste Sohn eines ehrenwerten Verwandten) mit den Wünschen, dass sie nur Söhne gebärt. Nach der Verwöhnung des Jungen gibt ihm die Braut ein Geschenk oder Geld.
Nachdem die Braut das Haus betreten hat, platziert man vor ihr einen Besen bedeckt mit einem Filzteppich. Die Braut muss die TĂĽrschwelle saubermachen und dort Geld hinterlassen.

Laut der Waynachen ist die Braut, die über das Geld läuft dumm und die Braut, die das Geld nimmt, klug. Früher wurde eine Burka zu ihren Füßen geworfen.

Nach all diesen Zeremonien beginnt die Hochzeit, an welcher Verwandte und die Dorfjungen teilnehmen. Bei Tschetschenen sind alle willkommen, die kommen möchten.

Der Zeremonienleiter der Hochzeit ist in der Regel ein gewählter General (Inard). Die Hochzeit wird begleitet von Tänzen. Harmonika-Spieler, Trommler und Zurna-Spieler (Pondarcha, Votancha und Zurmancha) sind eingeladen.

Früher wurden Clowns (Zhukhargs) eingeladen, um die Gäste zu unterhalten. Sie hatten Masken auf (Tuytm Ayazhig).

Gäste kommen gewöhnlich mit Geschenken. Frauen bringen in der Regel Kleidung, Teppiche, Hühner, Süßigkeiten, manchmal Geld mit, wohingegen Männer Geld oder Schafe mitbringen. Männer übergeben die Geschenke direkt an die Braut bei der Hochzeitszeremonie (mottbastitar – lösen der Zunge). Die Zeremonie findet wie folgt statt: die teilnehmenden Gäste werden der Braut nach dem Essen vorgestellt. Die Braut wird gebeten, den Gästen Wasser zu reichen, so dass sie etwas trinken kann und sich mit ihnen unterhalten kann, auf eine gute Gesundheit. Man macht Scherze mit der Braut und positive wie auch negative Anmerkungen über ihr Aussehen, Charakter und ihren Bräutigam. Letztendlich lässt sie ein oder zwei Sätze fallen, da man Geschwätzigkeit auch als Zeichen von Dummheit oder Unbescheidenheit deuten kann. Sie bietet Wasser an auf eine gute Gesundheit. Die Gäste bedanken sich bei ihr und wünschen ihr das Beste, Erfolg, Glück in ihrer zukünftigen Familie, bei ihren zukünftigen Kindern, Verwandten und sie wird beschenkt.

Es gibt auch ein Ritual – Zuda Guchyakkhar – welches “Prahlen mit der Braut” bedeutet, wenn der Zeremonienleiter und seine Gehilfen sich setzen und er zum Geldsammeln für die Neuverheirateten aufruft. Dabei gibt er alle Anwesenden bekannt, die Geschenke oder Geld gebracht haben.

Nach Ablauf von 3 Tagen werden die Neuverheirateten zum Wasser geführt, begleitet von Musik, Tanz und Schüssen (früher war das ein Muss). Ein Stück Brot (chiepalgish – gebackener und gefüllter Kuchen) wird ins Wasser geworfen, auf welches geschossen wird. Danach wird Wasser mitgenommen und das Mädchen geht nach Hause. Dieser Brauch liegt in alten Zeiten: das Mädchen muss täglich Wasser holen. Auf dem Weg zum Wasser könnte sie von einer Wasserelfe überrascht werden, der sie in den Strudel zieht. Um die Braut davor zu bewahren werfen die Hochzeitsgäste Brot oder Kuchen ins Wasser und schießen bzw. töten die “Wasserelfe”. Am selben Abend findet die Registrierung der Hochzeit statt (Makhyar), woran der Vater, der Bruder oder der Onkel sowie der Bräutigam teilnehmen. Üblicherweise repräsentiert der Mullah die Verwandten der Frau und gibt im Namen des Brautvaters, im Falle seiner Abwesenheit der Bruder oder der Onkel, seine Zustimmung zur Hochzeit der Schwester oder Nichte. Am nächsten Morgen wird die Braut die junge Frau des Hauses. Während der Hochzeit und dem Gang zum Wasser, ist der Bräutigam gewöhnlich nicht anwesend, häufig hat er dann eine gute Zeit mit seinen Freunden.

Nach einem Monat, manchmal nach 2 oder 3, geht die Schwiegertochter nach Hause mit Geschenken für die Eltern und Verwandten, begleitet von engen Verwandten ihres Mannes (Zakhaluo), die ihre Geschenke an die Eltern (Dzagia) überreichen. Die Dame, die die Schwiegertochter begleitet, kehrt unverzüglich mit Geschenken, Kleidung oder einem Teppich zurück. Die junge Braut bleibt ca. 1 Monat im Haus ihrer Eltern, manchmal weniger, je nach Wunsch. Zuhause bereitet sie Bettlaken und ein Teil ihrer Aussteuer vor und kehrt zum Haus ihres Ehemannes zurück, mit Geschenken für die Schwiegereltern, den Schwager und die Schwägerin. Sie bringt gewöhnlich Bettlaken (Mottgyeiba) für ihren Schwiegervater mit und für alle anderen Geschenke, abhängig von ihren Möglichkeiten.

Waynachen feiern ihre Hochzeiten normalerweise nach der Getreideernte oder vor der Ernte.

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