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Anstandsregeln bei tschetschenischen HochzeitsbrÀuchen

Bereitgestellt von am Monday, 7 October 2013.    1,930 views Kein Kommentar
Anstandsregeln bei tschetschenischen HochzeitsbrÀuchen

Traditionelle, tschetschenische Hochzeitszeremonien, wie auch andere VolksbrĂ€uche, zeugten insgeheim von Zusammenhalt. Es schloss gemeinsam gesungene Lieder, Tanz, Musik, Pantomime und ErzĂ€hlungen mit ein, die zusammengenommen ein großes Spektakel waren.

Die Elemente einer tschetschenischen Hochzeitszeremonie, das Pferdereiten, die Vorstellung der Braut im Haus des BrĂ€utigams, die Bekanntschaft mit der Braut, das Bringen der Braut an den Fluss, der Besuch des zukĂŒnftigen BrĂ€utigams bei den Verwundeten der Braut sind Hauptmerkmale der tschetschenischen Theaterdarbietungen, die MassenkreativitĂ€t, OriginalitĂ€t, facettenreiche nationale Formen, Umfang und Tiefen der volkstĂŒmlichen Phantasie manifestieren.

Im Allgemeinen sind in den Szenen einer tschetschenischen Hochzeit die spielerischen Spektakelelemente und die GesichtsausdrĂŒcke sehr gut ausgereift. Das wird auch erkennbar aus dem Begriff, den man fĂŒr die tschetschenische Hochzeit verwendet, dem “Lovzar, was “Spiel” bedeutet.

Hochzeitszeremonien unter Tschetschenen und Inguschen haben Unterschiede. Bei den Inguschen wird es als Unheil betrachtet, wenn das MÀdchen ohne den Segen der Eltern heiratet, wÀhrend Tschetschenen daran nichts Falsches finden. Manchmal wÀhlen ihre Verwandten diesen Weg, um sich zusÀtzliche Kosten zu ersparen, die Hochzeitszeremonien mit sich bringen.

Zur vereinbarten Zeit geht der BrĂ€utigam mit seinen Freunden an einen entsprechenden Ort (Ausgangsort der Braut) und er nimmt das MĂ€dchen mit. Das wird als Heiraten (Marie Yakhar) oder Hochzeit (Zuda Yalor) betrachtet. Die Braut wird zum Haus seines Freundes, Schwagers oder einem Verwandten der Braut (Zuda Yossar – VorĂŒbergehender Aufenthalt der Braut) gebracht, um bestimmte FormalitĂ€ten zu regeln. Es ist erforderlich, einen Mann zu schicken (Stag Vakhiitar), zur Information der Verwandten bezĂŒglich des Heiratswunsches der Braut, zur Versöhnung (Tam Bar), “Ablösezahlung” an die Verwandten (Yoikhana oder Kyovlam), Vorbereitung der Braut zur Hochzeit (Nuskal Kechdar), falls die Eltern ihr Kleidung schicken, zu NĂ€hen und zu Kaufen, was immer sie benötigt. Das hĂ€lt eine Woche lang an und manchmal auch lĂ€nger. Und die ganze Zeit ĂŒber wird die Hochzeit (Lovzar) vorbereitet.

Am Tage ihrer Hochzeit wird der Braut ein Gefolge (Zamuoi) geschickt, einschließlich der Freunde des BrĂ€utigams (Nevzan Nakyosk oder Trauzeugen).

Auf dem Weg zur Braut und zurĂŒck versetzt sich der Heiratsumzug in eine ausgelassene Stimmung. Sie spielen Harmonika und schießen mit einem Feuergewehr. FrĂŒher demonstrierten tschetschenische Reiter ihre Schieß-/ Fecht- und ReitkĂŒnste.

Auf dem Weg können die Verwandten der Braut oder die Dorfjungen den Hochzeitsumzug mit einer Burka (Schafsfellmantel) oder einem Seil, das ĂŒber der Straße gespannt ist, anhalten und ein “Ablösegeld” verlangen. Das Geld wird bezahlt, wenn die Braut das Elternhaus verlĂ€sst (Ney lazar – Geld fĂŒr das Aufhalten der TĂŒr).

Die Braut wird zum Haus des BrĂ€utigams gebracht und man fĂŒhrt sie mit ihrem gesamten HochzeitskostĂŒm an einen Ehrenplatz im Raum, gewöhnlich eine Zimmerecke in der NĂ€he eines Fensters, welche gegenĂŒber dem Eingang liegt. Sie wird mit einem Hochzeitsschleier (Kirkhya) bedeckt.

Anschließend gibt man der Braut ein Kind an die Hand (gewöhnlich der erste Sohn eines ehrenwerten Verwandten) mit den WĂŒnschen, dass sie nur Söhne gebĂ€rt. Nach der Verwöhnung des Jungen gibt ihm die Braut ein Geschenk oder Geld.
Nachdem die Braut das Haus betreten hat, platziert man vor ihr einen Besen bedeckt mit einem Filzteppich. Die Braut muss die TĂŒrschwelle saubermachen und dort Geld hinterlassen.

Laut der Waynachen ist die Braut, die ĂŒber das Geld lĂ€uft dumm und die Braut, die das Geld nimmt, klug. FrĂŒher wurde eine Burka zu ihren FĂŒĂŸen geworfen.

Nach all diesen Zeremonien beginnt die Hochzeit, an welcher Verwandte und die Dorfjungen teilnehmen. Bei Tschetschenen sind alle willkommen, die kommen möchten.

Der Zeremonienleiter der Hochzeit ist in der Regel ein gewÀhlter General (Inard). Die Hochzeit wird begleitet von TÀnzen. Harmonika-Spieler, Trommler und Zurna-Spieler (Pondarcha, Votancha und Zurmancha) sind eingeladen.

FrĂŒher wurden Clowns (Zhukhargs) eingeladen, um die GĂ€ste zu unterhalten. Sie hatten Masken auf (Tuytm Ayazhig).

GĂ€ste kommen gewöhnlich mit Geschenken. Frauen bringen in der Regel Kleidung, Teppiche, HĂŒhner, SĂŒĂŸigkeiten, manchmal Geld mit, wohingegen MĂ€nner Geld oder Schafe mitbringen. MĂ€nner ĂŒbergeben die Geschenke direkt an die Braut bei der Hochzeitszeremonie (mottbastitar – lösen der Zunge). Die Zeremonie findet wie folgt statt: die teilnehmenden GĂ€ste werden der Braut nach dem Essen vorgestellt. Die Braut wird gebeten, den GĂ€sten Wasser zu reichen, so dass sie etwas trinken kann und sich mit ihnen unterhalten kann, auf eine gute Gesundheit. Man macht Scherze mit der Braut und positive wie auch negative Anmerkungen ĂŒber ihr Aussehen, Charakter und ihren BrĂ€utigam. Letztendlich lĂ€sst sie ein oder zwei SĂ€tze fallen, da man GeschwĂ€tzigkeit auch als Zeichen von Dummheit oder Unbescheidenheit deuten kann. Sie bietet Wasser an auf eine gute Gesundheit. Die GĂ€ste bedanken sich bei ihr und wĂŒnschen ihr das Beste, Erfolg, GlĂŒck in ihrer zukĂŒnftigen Familie, bei ihren zukĂŒnftigen Kindern, Verwandten und sie wird beschenkt.

Es gibt auch ein Ritual – Zuda Guchyakkhar – welches “Prahlen mit der Braut” bedeutet, wenn der Zeremonienleiter und seine Gehilfen sich setzen und er zum Geldsammeln fĂŒr die Neuverheirateten aufruft. Dabei gibt er alle Anwesenden bekannt, die Geschenke oder Geld gebracht haben.

Nach Ablauf von 3 Tagen werden die Neuverheirateten zum Wasser gefĂŒhrt, begleitet von Musik, Tanz und SchĂŒssen (frĂŒher war das ein Muss). Ein StĂŒck Brot (chiepalgish – gebackener und gefĂŒllter Kuchen) wird ins Wasser geworfen, auf welches geschossen wird. Danach wird Wasser mitgenommen und das MĂ€dchen geht nach Hause. Dieser Brauch liegt in alten Zeiten: das MĂ€dchen muss tĂ€glich Wasser holen. Auf dem Weg zum Wasser könnte sie von einer Wasserelfe ĂŒberrascht werden, der sie in den Strudel zieht. Um die Braut davor zu bewahren werfen die HochzeitsgĂ€ste Brot oder Kuchen ins Wasser und schießen bzw. töten die “Wasserelfe”. Am selben Abend findet die Registrierung der Hochzeit statt (Makhyar), woran der Vater, der Bruder oder der Onkel sowie der BrĂ€utigam teilnehmen. Üblicherweise reprĂ€sentiert der Mullah die Verwandten der Frau und gibt im Namen des Brautvaters, im Falle seiner Abwesenheit der Bruder oder der Onkel, seine Zustimmung zur Hochzeit der Schwester oder Nichte. Am nĂ€chsten Morgen wird die Braut die junge Frau des Hauses. WĂ€hrend der Hochzeit und dem Gang zum Wasser, ist der BrĂ€utigam gewöhnlich nicht anwesend, hĂ€ufig hat er dann eine gute Zeit mit seinen Freunden.

Nach einem Monat, manchmal nach 2 oder 3, geht die Schwiegertochter nach Hause mit Geschenken fĂŒr die Eltern und Verwandten, begleitet von engen Verwandten ihres Mannes (Zakhaluo), die ihre Geschenke an die Eltern (Dzagia) ĂŒberreichen. Die Dame, die die Schwiegertochter begleitet, kehrt unverzĂŒglich mit Geschenken, Kleidung oder einem Teppich zurĂŒck. Die junge Braut bleibt ca. 1 Monat im Haus ihrer Eltern, manchmal weniger, je nach Wunsch. Zuhause bereitet sie Bettlaken und ein Teil ihrer Aussteuer vor und kehrt zum Haus ihres Ehemannes zurĂŒck, mit Geschenken fĂŒr die Schwiegereltern, den Schwager und die SchwĂ€gerin. Sie bringt gewöhnlich Bettlaken (Mottgyeiba) fĂŒr ihren Schwiegervater mit und fĂŒr alle anderen Geschenke, abhĂ€ngig von ihren Möglichkeiten.

Waynachen feiern ihre Hochzeiten normalerweise nach der Getreideernte oder vor der Ernte.

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