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Ruslan Kutaevs letzte Rede vor dem Scheingericht

Bereitgestellt von am Monday, 14 July 2014.    126 views Kein Kommentar
Ruslan Kutaevs letzte Rede vor dem Scheingericht

Ruslan Kutaev, Pr├Ąsident der Versammlung der kaukasischen Nationen, wurde mit fingierten Beweisen zu vier Jahren Haft in einer allgemeinen Strafkolonie verurteilt – aus einem einzigen Grund: er hatte eine wissenschaftliche Konferenz in Grosny einberufen, anl├Ąsslich des 70. Jahrestags der Deportation der tschetschenischen und inguschischen V├Âlker nach Sibirien und Zentralasien – auf Befehl vom damaligen Sowjetf├╝hrer Josef Stalin.

Ein Scheingericht im von Russland besetzten Tschetschenien, das ├╝ber keinerlei legale Rechte verf├╝gt, einen Prozess zu f├╝hren, hat ihn in ein Todeslager geschickt. Dennoch stellte sich Ruslan Kutaev w├╝rdevoll diesem Urteil und nahm sie mit seinen Worten an. Hier ist Ruslan Kutaevs letzte Rede vor den Mitgliedern des Scheingerichts:

ÔÇťIn den 4 Monaten hinter Gittern hatte ich ausreichend Zeit, um mein Leben zu analysieren. Ich bin fast 60 Jahre alt, aber ich w├╝rde gerne ├╝ber eine Episode meines Lebens reden und erkl├Ąren, weshalb ich es mit dem heutigen Prozess in Verbindung bringe. Es war das Jahr 1982, ich war noch Student am Chemisch-Technologischen Institut Iwanowo, wo wir eine Party der V├Âlkerfreundschaft feierten. Auf der Party der V├Âlker f├╝hrte die UdSSR ihre Errungenschaften vor. Die Moldauer und die Georgier pr├Ąsentierten ihre Weine, Armenier ihren Cognac, Kabardiner ihre Rosse, Turkmenen zeigten ebenfalls ihre Rassenpferde und so weiter. Und alle warteten mit gro├čen Darbietungen auf.

Als ich allein vorging, um meine Republik – Tschetscheno-Inguschetien – zu repr├Ąsentieren, sah mich das Publikum verwirrt an, weil meine Landsleute hinter mir keine Vorf├╝hrungen boten. Ich machte ganz bewusst eine Pause und redete das Publikum an: ÔÇťLiebe Freunde! Heute und hier sprechen wir ├╝ber unsere Errungenschaften. Auch wir haben sie, aber da es hier um die gr├Â├čten Errungenschaften geht, die ├Ąu├čerst vertraut, stark, respektabel und ehrw├╝rdig sind, bin ich vorgegangen und stehe vor euch, um das Beste an uns Tschetschenen vorzuf├╝hren. Das bin ich, ich selbst, ein Tschetschene – die einzige Nation der UdSSR, die nie erobert worden ist, die einzige Nation, die niemals Prinzen und Khane, Verbeugungen, K├Ânige oder Sultane gehabt hat. Und ich stehe hier vor Ihnen – ein Vertreter der freien Tschetscheno-Inguschischen Nation.ÔÇŁ

Das Publikum applaudierte im Stehen, da sie mich kannten. Sie wussten, dass ich ein Freund bin, dass ich nie verrate und immer da bin. Damals war ich, euer Ehren, 23 Jahre alt. Seitdem ist sehr viel Zeit vergangen, mehr als 30 Jahre. Ich war genetisch schon immer stolz darauf und r├╝hmte mich sogar ein bisschen damit, dass ich ein Tschetschene bin, denn f├╝r mich ist es ein Synonym f├╝r Freiheit, eine unglaublich klare Auffassung von Gerechtigkeit und Ehre. In meiner Rolle als Veteran, reich an Erfahrung, eine Pers├Ânlichkeit des ├Âffentlichen Lebens, Politiker und Philosoph, stehe ich hier in diesem K├Ąfig und wiederhole: Ich bin ein freier Tschetschene. Es gibt niemanden, bei dem ich mich f├╝r meinen Verrat entschuldigen kann. Ich habe viele Freunde – hier, in diesem Gerichtssaal und au├čerhalb – da sind meine Freunde, meine Schule-Freunde, die, mit denen ich am Institut studierte und in der Armee diente – Freunde aus allen L├Ąndern der ehemaligen UdSSR. Sie alle unterst├╝tzen mich, weil ich sie niemals verriet und niemals meine Standpunkte ├Ąnderte.

Ich kann nachvollziehen, dass unruhige Zeiten in der Geschichte aller Nationen vorkommen. Zu meinem gro├čen Bedauern erlebt meine Republik aktuell genau diese unruhigen Zeiten. Und in schwierigen Zeiten muss einer f├╝r seine Haltung zahlen, deshalb bin ich jetzt hier.

Euer Ehren! Abschlie├čend m├Âchte ich gerne folgendes sagen:

Erstens bin ich Ihnen dankbar. Sie haben meinen Angeh├Ârigen immer die M├Âglichkeit gegeben, mich zu sehen. Vielen Dank.

Zweitens – wenn Sie mich in diesem Gerichtssaal freisprechen, werde ich nicht ├╝berrascht sein, denn ich bin unschuldig. Wenn Sie mich f├╝r eine gewisse Zeit verurteilen, werde ich nicht ├╝berrascht sein, denn ein Tschetschene zu sein, ein Mann von Ehre, ehrlich und fair, daf├╝r muss man heute einen hohen Preis zahlen, deshalb werde ich jede Entscheidung von Ihnen gelassen hinnehmen.”

┬ęWaynakh Online

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