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Achmed Sakajew: “Putin braucht Kadyrow f├╝r die Drecksarbeit”

Bereitgestellt von am Friday, 20 March 2015.    141 views Kein Kommentar
Achmed Sakajew: “Putin braucht Kadyrow f├╝r die Drecksarbeit”

Tschetschenischer Exil-Pr├Ąsident erhebt im Gespr├Ąch mit der “Wiener Zeitung” schwere Vorw├╝rfe gegen Putin – und sieht Spaltung im Kreml.

“Wiener Zeitung”:Tschetschenen-Oberhaupt Ramsan Kadyrow bekommt derzeit von Pr├Ąsident Putin h├Âchste Orden – zu einer Zeit, als einer seiner Untergebenen Hauptverd├Ąchtiger im Mordfall Nemzow ist. Was steckt dahinter?

Achmed Chalidowitsch Sakajew: Solange Putin im Kreml sitzt, wird Kadyrow weiter Orden bekommen. Das gleiche hatten wir schon nach der Ermordung von Anna Politkowskaja. Auch da wurde Kadyrow verd├Ąchtigt. Und Putin ernannte ihn prompt zum Pr├Ąsidenten Tschetscheniens. Das war ein klares Zeichen an die Strafverfolger: Dass sie nicht in die Richtung Kadyrow ermitteln d├╝rfen. Das gleiche haben wir jetzt mit den Orden nach dem Nemzow-Mord – sie sind ein Signal, Kadyrow nicht anzufassen.

“Wiener Zeitung”: Warum?

Achmed Sakajew: Kadyrow ist Putin treu ergeben. Er tut nur das, was Putin will oder ihm befiehlt. Kadyrow macht keinerlei eigenst├Ąndige Schritte. Deshalb f├Ârdert ihn Putin. Mit Orden, mit Geld, mit ├ämtern.

“Wiener Zeitung”: Hat Kadyrow etwas mit dem Nemzow-Mord zu tun?

Achmed Sakajew: Wenn die Verd├Ąchtigen, die jetzt im Gef├Ąngnis sitzen, wirklich die T├Ąter sind, dann geschah der Mord auf Befehl von Kadyrow. Und der konnte nur auf Befehl Putins handeln.

“Wiener Zeitung”: Schwere Vorw├╝rfe. . .

Achmed Sakajew: Nein. Denn einer der Verd├Ąchtigen sagt ja, er sei mit Folter zu seinem Gest├Ąndnis gezwungen worden. Man muss also erst mal abwarten. Genau wei├č ich aber eines: Kein Einziger aus Kadyrows Bataillonen h├Ątte ohne Unterst├╝tzung der russischen Geheimdienste einen Mord begehen k├Ânnen an diesem Ort, vor dem Kreml.

“Wiener Zeitung”: Es gibt Ger├╝chte ├╝ber heftige Konflikte zwischen den Geheimdiensten, weil vielen Putins Vorliebe f├╝r Kadyrow nicht gef├Ąllt.

Achmed Sakajew: Wir haben es erstmals mit einer Spaltung in Putins Mannschaft zu tun. Viele Gener├Ąle sehen es sehr zwiesp├Ąltig, dass Putin Kadyrow so f├Ârdert. Und dass Kadyrow immer betont, er sei Putin pers├Ânlich ergeben, ohne R├╝cksicht auf sein Amt. Das widerspricht der Hackordnung. Die russischen Gener├Ąle sind an die Vertikale der Macht gew├Âhnt; Kadyrow verletzt diese Regeln. Zudem wissen sie, dass er f├╝r viele Verbrechen verantwortlich ist.

“Wiener Zeitung”: Welche?

Achmed Sakajew: Von den 18 regionalen Polizeichefs in Tschetschenien sind 14 landesweit zur Fahndung ausgeschrieben. Auch gegen Kadyrow gibt es zwei Ermittlungsverfahren. Die Geheimdienstler suchen einen passenden Moment, um Putin von Kadyrow zu befreien. Nach dem Nemzow-Mord gab es so einen Versuch – auch, indem sie Kadyrow f├╝r die Tat verantwortlich machten.

“Wiener Zeitung”: Will Putin wirklich von Kadyrow befreit werden?

Achmed Sakajew: Nein. Deshalb bleibt alles, wie es ist.

“Wiener Zeitung”: Wozu braucht Putin Kadyrow?

Achmed Sakajew: Weil er die Drecksarbeit macht, was auch immer Putin fordert. Und weil er in Putins Augen f├╝r Stabilit├Ąt in Tschetschenien steht. Putin hat ihm erlaubt, in Tschetschenien zu machen, was er will. Die Menschen dort leben in Angst und Schrecken.

“Wiener Zeitung”: Wie stabil oder fragil ist die Lage in Tschetschenien eigentlich derzeit tats├Ąchlich?

Achmed Sakajew: Es ist eine Pseudostabilit├Ąt. Die Menschen leben in Angst und Erwartung von grundlegenden Ver├Ąnderungen. Die kleinsten Zeichen von Schw├Ąche – und die Situation explodiert, nicht nur in Tschetschenien, sondern im ganzen Kaukasus. Der ist ein wahres Pulverfass.

Zur Person: Achmed Chalidowitsch Sakajew

ist ein tschetschenischer Schauspieler und gegenw├Ąrtig Ministerpr├Ąsident der tschetschenischen Exilregierung. Er genie├čt Asyl in Gro├čbritannien.

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