{"id":822,"date":"2014-10-22T20:18:00","date_gmt":"2014-10-22T17:18:00","guid":{"rendered":"http:\/\/waynakh.com\/de\/?p=822"},"modified":"2014-10-22T20:18:00","modified_gmt":"2014-10-22T17:18:00","slug":"amtsarzte-wegen-tod-von-schubhaftling-verurteilt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/waynakh.com\/de\/2014\/10\/22\/amtsarzte-wegen-tod-von-schubhaftling-verurteilt\/","title":{"rendered":"Amts\u00e4rzte wegen Tod von Schubh\u00e4ftling verurteilt"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Wegen des Todes eines tschetschenischen Asylwerbers sind am Mittwoch zwei Wiener Amts\u00e4rzte am Bezirksgericht Josefstadt nicht rechtskr\u00e4ftig wegen fahrl\u00e4ssiger T\u00f6tung zu Geldstrafen von 7.200 bzw. 6.000 Euro verurteilt worden. Im ersten Rechtsgang im M\u00e4rz dieses Jahres, der wegen Divergenzen in den beiden medizinischen Gutachten aufgehoben wurde, waren es noch je 15.000 Euro gewesen.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der 35-j\u00e4hrige Zelimkhan Isakov war am 27. September 2012 an einem Herzinfarkt gestorben, nachdem er in der Schubhaft wiederholt \u00fcber gesundheitliche Probleme geklagt und neben Unterleibs- und psychischen Beschwerden auch Schmerzen in der Brust geltend gemacht hatte. Doch die schuldig erkannten \u00c4rzte im Polizeianhaltezentrum (PAZ) hatten es unterlassen, bei Untersuchungen am 14. bzw. 16. September 2012 diese mit einem EKG-Ger\u00e4t abzukl\u00e4ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Mann war am 30. Juni 2012 verhaftet worden, weil er sich bei einer Polizeikontrolle herausstellte, dass gegen ihn ein negativer Asylbescheid bestand. So h\u00e4tte er Ende September nach Russland abgeschoben werden sollen. W\u00e4hrend der Haft nahm er unz\u00e4hlige Male \u00e4rztliche Hilfe in Anspruch. Vor allem klagte er \u00fcber ein urologisches Problem \u2013 abklingenden Herpes im Unterleibsbereich \u2013 sowie psychische Schwierigkeiten, dreimal wies er aber auch auf Schmerzen in der Brust hin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die \u00c4rzte sahen jedoch keine Veranlassung ein Elektrokardiogramm anzufertigen, obwohl in dem Untersuchungszimmer ein entsprechendes Ger\u00e4t zur Verf\u00fcgung gestanden w\u00e4re. Dies war laut Darstellung der beiden Sachverst\u00e4ndigen nicht lege artis. Doch w\u00e4hrend der eine Spezialist meinte, man h\u00e4tte bei einem EKG entsprechende Anzeichen der Herzkrankheit sehen m\u00fcssen, hatte dies der zweite verneint, was u.a. zur Neuauflage des Prozesses gef\u00fchrt hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch wenn der kardiologische Sachverst\u00e4ndige Hartwig Bailer weiterhin davon sprach, dass das EKG auch negativ h\u00e4tte ausfallen k\u00f6nnen, waren sich beide Spezialisten einig, dass man aufgrund der anhaltenden Schmerzen auch dann ein Belastungs-EKG sowie eine \u00dcberwachung auf einer Herzstation vorgenommen h\u00e4tte. Damit h\u00e4tte man das Leben des 35-J\u00e4hrigen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit retten k\u00f6nnen, weil es dann aufgrund der Behandlung, etwa durch Legung eines Stents, gar nicht zum t\u00f6dlichen Infarkt gekommen w\u00e4re.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obwohl sich die Angeklagten damit verantworteten, dass vom Patienten die diffusen Schmerzen haupts\u00e4chlich dem Nierenbereich sowie dem Unterleib zugeordnet wurden, w\u00e4re unbedingt ein EKG durchzuf\u00fchren gewesen, das sei auch von Allgemeinmedizinern zu erkennen gewesen. Der Tschetschene starb infolge eines Verschlusses einer Koronararterie (LAD).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Richter Andreas Held wies in seiner Urteilsbegr\u00fcndung darauf hin, dass sich die divergenten Aussagen der Sachverst\u00e4ndigen im heutigen Verfahren eindeutig gekl\u00e4rt h\u00e4tten. W\u00e4ren die \u00c4rzte lege artis vorgegangen h\u00e4tte ihr Patient nicht sterben m\u00fcssen. \u201cDas war ein fahrl\u00e4ssiges Verhalten.\u201d Die Verurteilten sahen das weiterhin nicht so und meldeten Nichtigkeit und Berufung an, die Bezirksanw\u00e4ltin erkl\u00e4rte Rechtsmittelverzicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.salzburg24.at\/amtsaerzte-wegen-tod-von-schubhaeftling-verurteilt\/apa-s24_1420869522\" target=\"_blank\"><em><strong>Salzburg24.at<\/strong><\/em><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wegen des Todes eines tschetschenischen Asylwerbers sind am Mittwoch zwei Wiener Amts\u00e4rzte am Bezirksgericht Josefstadt nicht rechtskr\u00e4ftig wegen fahrl\u00e4ssiger T\u00f6tung zu Geldstrafen von 7.200 bzw. 6.000 Euro verurteilt worden. 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