{"id":728,"date":"2014-03-05T12:49:40","date_gmt":"2014-03-05T09:49:40","guid":{"rendered":"http:\/\/waynakh.com\/de\/?p=728"},"modified":"2014-06-09T12:54:04","modified_gmt":"2014-06-09T09:54:04","slug":"benoit-desjardins-dieser-film-ist-eine-hymne-auf-die-freiheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/waynakh.com\/de\/2014\/03\/05\/benoit-desjardins-dieser-film-ist-eine-hymne-auf-die-freiheit\/","title":{"rendered":"Benoit Desjardins: &#8220;Dieser Film ist eine Hymne auf die Freiheit!&#8230;&#8221;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Der junge und inspirierende Filmemacher Benoit Desjardins hat &#8220;<a href=\"http:\/\/www.waynakh.com\/eng\/?s=welcome+yankee&amp;x=0&amp;y=0\" target=\"_blank\">Welcome Yankee<\/a>&#8220;, einen Kurzfilm \u00fcber die Geschichte einer tschetschenischen Familie, in Quebec\/Kanada im November 2012 ver\u00f6ffentlicht. Bisher hat der Film 3 Auszeichnungen in Griechenland, der T\u00fcrkei und den Vereinigten Staaten eingespielt. Unser Team f\u00fchrte ein bemerkenswertes Interview mit Herrn Desjardins.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wer ist Benoit Desjardins?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Benoit Desjardins ist ein Anthropologe und Filmemacher. Er lebt und arbeitet in seiner Heimatstadt Montreal. Er ist Absolvent des Kinematographie-Programms der Universit\u00e4t von Montreal und er gr\u00fcndete im Jahre 2006 die Produktionsfirma &#8220;The Perception Productions&#8221;. Seitdem hat er mehrere Kurzfilme produziert und Regie gef\u00fchrt, einschlie\u00dflich der Filme &#8220;History of Fishing (2008)&#8221; und &#8220;Chewing Gum (2010)&#8221;. Mit diesen Filmen hat er an diversen Filmfestivals teilgenommen und mehrere Auszeichnungen gewonnen. Benoit Desjardins arbeitet zurzeit an der Produktion einer Trilogie zum Thema Auswanderung. Der erste Teil hei\u00dft &#8220;Welcome Yankee&#8221; und erz\u00e4hlt die Geschichte eines tschetschenischen Paares, das vor dem Krieg fl\u00fcchtet und Asyl sucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Marsho: Wie beschreiben Sie Ihren Film &#8220;Welcome Yankee&#8221;?<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Benoit Desjardins:<\/strong> Mein Film ist eine Hymne auf die Freiheit und Gleichheit von Menschen. Jeder Mensch auf Erden sollte das Recht haben, sich auf demokratischem Wege zu verwirklichen. Es sind aber immer noch zu viele Minderheiten Gegenstand der Macht von Mehrheiten, die Kontrolle ist das Resultat eines Krieges, der unl\u00e4ngst oder weit in der Vergangenheit stattfand und durch den Tier im Menschen verursacht wird. Es ist unfassbar, dass sich im 21. Jahrhundert Menschen immer noch gewaltsam aneignen k\u00f6nnen, was sie m\u00f6chten. F\u00fcr wen und f\u00fcr was? Wir alle kommen auf dem gleichen Boden auf die Welt, das sollten wir zumindest, da sich keiner weder die Zeit noch den Ort seiner Ankunft aussuchen kann. &#8220;Welcome Yankee&#8221; ist auch ein Film \u00fcber die Freiheit, in der man das Reichtum teilt, B\u00fcrger einer Heimat zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Marsho: Kannten Sie Tschetschenen vor diesem Projekt?<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Benoit Desjardins:<\/strong> Bevor ich dieses Projekt begann, wusste ich sehr wenig \u00fcber die Tschetschenen und ihre Geschichte. Ich hatte von den j\u00fcngsten Kriegen geh\u00f6rt aber nie Tschetschenen getroffen. Aus filmischer Sicht fand ich es wirkungsvoll, Fl\u00fcchtlinge zu inszenieren, die \u00e4u\u00dferlich Nordamerikanern glichen, um die Identifikation mit den Charakteren zu verst\u00e4rken und zum Nachdenken zu bewegen ob unserer Verantwortung als B\u00fcrger eines Gastlands. Neben der \u00e4u\u00dferen \u00c4hnlichkeit (Kaukasisch), gab es auch eine geographische (n\u00f6rdliches Gebiet), geopolitische (eine Minderheit in einer Mehrheit, die sich unter dem Einfluss des Landes ver\u00e4ndert) und historische \u00c4hnlichkeit (Streben von Quebec nach Unabh\u00e4ngigkeit). In der Tat erinnerte mich die Geschichte von Quebec zu Zeiten der britischen Eroberung von Neufrankreich im Jahre 1759 an den tschetschenischen Konflikt im letzten Jahrzehnt. 250 Jahre sp\u00e4ter ist Quebec immer noch nicht unabh\u00e4ngig, aber der Reichtum, in einem demokratischen Land zu wandeln, gibt einem die Freiheit, trotz allem friedlich in unserer Sprache und Kultur zu wachsen und zu streben, w\u00e4hrend wir uns aktiv am politischen Geschehen auf nationaler Ebene beteiligen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Marsho: Wie kam es zu der Entscheidung, einen Film \u00fcber Tschetschenen zu drehen?<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Benoit Desjardins:<\/strong> In den Besprechungen und aufgrund der gesammelten Informationen war ich ergriffen von der tschetschenischen Sache und beschloss, die Geschichte in einem echten Konflikt zu verankern. Dennoch m\u00f6chte ich nicht, dass dieses Element im Film zu sehr ausgereizt wird. Ich w\u00fcnsche mir, dass der Film eine Hymne auf die Freiheit wird, da diese Botschaft eine universelle Bedeutung hat f\u00fcr alle Fl\u00fcchtlinge der Welt und nicht nur f\u00fcr die Tschetschenen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Marsho: Haben Sie sich vor dem Projekt mit Tschetschenen beraten oder gab es einen Tschetschenen in Ihrem Team?<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Benoit Desjardins:<\/strong> Ich begann meine Recherchen in Frankreich und f\u00fchrte diverse Interviews mit tschetschenischen Fl\u00fcchtlingen, die zugestimmt hatten, ihre Geschichten zu erz\u00e4hlen. Ich sammelte ausreichend Informationen, um das Drehbuch f\u00fcr einen Spielfilm zu schreiben. Dennoch konnte ich ein so gro\u00dfes Projekt als junger Filmemacher nicht umsetzen. Zudem hatte die Finanzierung von Kurzfilmen gerade begonnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einmal traf ich Birlyant Ramzaeva und ihre zwei T\u00f6chter in Montreal im Exil. Dieses Treffen war von entscheidender Bedeutung in vielerlei Hinsicht. Birlyant und ihre Tochter Aset beteiligten sich in verschiedenen Phasen der Produktion, selbst bei kleinsten Details. Wir arbeiteten das Drehbuch erneut aus. Sie gingen auch an die \u00dcbersetzung der Dialoge aus dem Franz\u00f6sischen ins Tschetschenische. Anschlie\u00dfend arbeiteten sie auch eng mit den Schauspielern No\u00e9mie Godin-Vigneau und Danny Gilmore zusammen, um ihnen die tschetschenische Sprache beizubringen. Dadurch wurden deren Kenntnisse in den Dialogen einwandfrei. Einen Monat vor dem Dreh haben wir dann Trainingseinheiten gestartet. Verschiedene Kl\u00e4nge und T\u00f6ne der tschetschenischen Sprache unabh\u00e4ngig von der franz\u00f6sischen Sprache und das Erlernen der Sprache stellten eine Herausforderung f\u00fcr die Schauspieler dar. Deshalb, um der Authentizit\u00e4t willen, begleiteten Aset und Birlyant uns w\u00e4hrend des gesamten Drehs und der Nachbearbeitung, bis auch die letzten Korrekturen in der Sprache vorgenommen waren. Es war essentiell, dass die Aussprache des Tschetschenischen perfekt ist und die Schauspieler sich diesem Ziel g\u00e4nzlich hingeben. Aset und Birlyant arbeiteten auch sehr eng mit dem k\u00fcnstlerischen Leiter (Art Director) und dem Kost\u00fcmbildner zusammen. Sie unterst\u00fctzten uns dabei, eine Wohnung im Zentrum von Montreal in ein tschetschenisches Haus auf dem Land umzuwandeln, indem sie uns Teppiche und andere dekorative Elemente bereitstellten. Was die Details betrifft: die Ohrringe, die No\u00e9mie Godin-Vigneau im Film trug, geh\u00f6ren Amant, der Gro\u00dfmutter von Birlyant. Das inspirierte auch zum Namen des Charakters \u201cNaomi\u201d. Und die Musik von Birlyant begleitete mich w\u00e4hrend des gesamten Drehs und der Nachbearbeitung des Films, aufgrund der Tiefe und Genauigkeit ihrer Gef\u00fchle. Ohne die Musik und ohne ihre Anleitung und Unterst\u00fctzung, w\u00e4re der Film nicht das, was er heute ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Marsho: Wir wissen, dass mit dem Ausdruck &#8220;Yankee&#8221; Amerikaner bezeichnet werden, aber in Ihrem Film geht es um ein tschetschenisches Paar. Weshalb haben Sie den Filmtitel &#8220;Welcome Yankee&#8221; gew\u00e4hlt?<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Benoit Desjardins:<\/strong> Zun\u00e4chst gibt es da eine direkte Verbindung zur Kappe, die Aslan, der Hauptdarsteller im Film, tr\u00e4gt. Bei der Ankunft am Hafen nennen ihn die kanadischen Beamten Yankee. Allerdings lebt Aslan Lichtjahre entfernt vom Baseball und von den New York Yankees. Der Sinn dahinter ist unsere Angewohnheit, eine Marke sehr schnell mit etwas in Verbindung zu bringen, was wir nicht kennen, wir pflegen Vorurteile ohne es zu verstehen, ohne zu wissen, insbesondere wenn es darum geht, Einwanderer zu beschreiben, die wir h\u00e4ufig als Eindringlinge wahrnehmen. Die Definition des Wortes \u201eYankee\u201c im Song von Richard Desjardins, der den Abspann des Films begleitet, geht auch in diese Richtung. Nach seiner Aussage stammt das Wort urspr\u00fcnglich von den eingeborenen Amerikanern ab und Yankee bedeutet &#8220;Eindringling&#8221;. Die eingeborenen Amerikaner der amerikanischen Ostk\u00fcste verwendeten es, um englische Kolonisten zu bezeichnen, die in Amerika landeten. Letztendlich ist es auch ein Hinweis auf die Tatsache, dass Logos und Verbraucherprodukte weltweit reisen, unabh\u00e4ngig von Grenzen, w\u00e4hrend es sich f\u00fcr den Einzelnen ganz anders darstellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Marsho: Haben Sie eine Mitteilung an unsere Leser?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Benoit Desjardins:<\/strong> Ich m\u00f6chte Sie gerne einladen, unsere Facebook-Seite zu abonnieren und unsere Webseite <a href=\"http:\/\/www.welcomeyankee.com\" target=\"_blank\">http:\/\/www.welcomeyankee.com<\/a> zu besuchen, um unserer Welttournee zu folgen. Es ist auch ein Webcast mit tschetschenischen Untertiteln f\u00fcr 2014 geplant.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>*Das Interview erschien erstmalig in der tschetschenischen Monatszeitschrift &#8220;<a href=\"http:\/\/www.marshodergisi.blogspot.com\" target=\"_blank\"><strong>Marsho<\/strong><\/a>&#8220;. Es wurde von Waynakh Online \u00fcbersetzt.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der junge und inspirierende Filmemacher Benoit Desjardins hat &#8220;Welcome Yankee&#8220;, einen Kurzfilm \u00fcber die Geschichte einer tschetschenischen Familie, in Quebec\/Kanada im November 2012 ver\u00f6ffentlicht. Bisher hat der Film 3 Auszeichnungen in Griechenland, der T\u00fcrkei und &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"views":225,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/waynakh.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/728"}],"collection":[{"href":"https:\/\/waynakh.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/waynakh.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/waynakh.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/waynakh.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=728"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/waynakh.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/728\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":730,"href":"https:\/\/waynakh.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/728\/revisions\/730"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/waynakh.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=728"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/waynakh.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=728"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/waynakh.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=728"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}<!-- WP Super Cache is installed but broken. The constant WPCACHEHOME must be set in the file wp-config.php and point at the WP Super Cache plugin directory. -->