{"id":725,"date":"2011-02-09T12:40:04","date_gmt":"2011-02-09T09:40:04","guid":{"rendered":"http:\/\/waynakh.com\/de\/?p=725"},"modified":"2014-06-09T12:48:23","modified_gmt":"2014-06-09T09:48:23","slug":"iljas-achmadow-die-zeit-wird-alles-heilen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/waynakh.com\/de\/2011\/02\/09\/iljas-achmadow-die-zeit-wird-alles-heilen\/","title":{"rendered":"Iljas Achmadow: &#8220;Die Zeit wird alles heilen!&#8221;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Wir haben ein Telefoninterview mit dem ehemaligen Au\u00dfenminister der Tschetschenischen Republik Itschkeria, <a href=\"http:\/\/waynakh.com\/de\/2014\/03\/04\/iljas-achmadov\/\">Iljas Achmadow<\/a>, gef\u00fchrt. Wir sprachen \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.waynakh.com\/eng\/2010\/12\/the-chechen-struggle-independence-won-and-lost\/\">sein k\u00fcrzlich erschienenes Buch<\/a> sowie \u00fcber aktuelle Themen.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Waynakh Online: Herr Achmadow, in den letzten Jahren traten Sie in der \u00d6ffentlichkeit nicht auf und wir haben erst wieder von Ihnen geh\u00f6rt, als Ihr Buch k\u00fcrzlich erschien. K\u00f6nnen Sie uns sagen, was Sie in dieser Zeit gemacht haben?<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Iljas Achmadow:<\/strong> 2005 wurde ich auf Befehl von Aslan Maschadows Nachfolger Abdul-Khalim Sadulajew aus meinem politischen Amt entlassen. Danach begann ich mein Privatleben und nutzte die gesamte Zeit, dieses Buch mit meiner Co-Autorin Miriam Lanskoy zu schreiben. Schlie\u00dflich wurde es vor ein paar Wochen ver\u00f6ffentlicht. Nat\u00fcrlich habe ich w\u00e4hrend dieser Zeit das Interesse an meiner Heimat nicht verloren und habe gewusst, was in Tschetschenien und im Nordkaukasus geschieht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Waynakh Online: Nach unserem Kenntnisstand sind Sie der Autor eines <a href=\"http:\/\/waynakh.com\/de\/2014\/03\/04\/die-russisch-tschetschenische-tragodie-der-weg-zum-frieden-und-zur-demokratie-bedingte-unabhangigkeit-unter-einer-internationalen-verwaltung\/\">Friedensplans f\u00fcr den Russisch-Tschetschenischen Krieg<\/a>. Es hatte wie erwartet keinen Einfluss auf die westlichen L\u00e4nder, aber es wurde auf tschetschenischer Seite kritisiert. Was m\u00f6chten Sie dazu sagen?<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Iljas Achmadow:<\/strong> Ja, ich hatte einige Kritiker auf der tschetschenischen Seite. Alle meine Kritiker beschuldigten mich aufgrund der Wortwahl im Text. Allerdings m\u00fcssen Sie verstehen, aus welcher Situation heraus dieser Plan geschrieben wurde. Ich habe nie gesagt, dass Tschetschenien ein Teil der Russischen F\u00f6deration ist oder dass wir ein Teil von Russland werden. Es ging um das Recht des tschetschenischen Volkes, einen eigenen Staat zu errichten. Es zielte darauf ab, den Westen einzubinden. Sie erinnern sich an die schreckliche Tat in Nord-Ost im Jahr 2002. Danach wollte niemand mehr \u00fcber die Lage in Tschetschenien sprechen und dar\u00fcber, den Krieg zu beenden. In der Zwischenzeit t\u00f6tete Russland weiterhin Tausende und Abertausende Zivilisten. Und wenn ich in dieser Zeit versuchte, mit irgendwelchen Politikern zu sprechen, sagten sie mir, dass ich immer dar\u00fcber sprach, den Krieg zu beenden, aber ob ich denn n\u00e4here Angaben, irgendwelche Standpunkte in dieser Angelegenheit h\u00e4tte. Nat\u00fcrlich besprach ich das Problem dann mit Aslan Maschadow und dieser Plan entstand (der Plan wurde von meinem Stellvertreter Roman Khalilov geschrieben und meine Aufgabe war es, daf\u00fcr zu werben). Ich muss hinzuf\u00fcgen, dass ich in politischen Fragen ausgebildet bin, da ich Absolvent einer politikwissenschaftlichen Fakult\u00e4t bin. Ich wusste also, wor\u00fcber ich sprach. Ich wusste, dass dieser Plan nicht unmittelbar funktionieren w\u00fcrde, aber es war eine gute Gelegenheit, Fragen \u00fcber die Beendigung des Krieges in Tschetschenien aufzuwerfen und politische L\u00f6sungen f\u00fcr diesen Konflikt zu finden. Das erste Mal wurde eine solche Initiative zur Tschetschenien-Frage von 130 Mitgliedern des Europ\u00e4ischen Parlaments unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Waynakh Online: Wie bewerten Sie das Verhalten der Vereinigten Staaten oder der westlichen L\u00e4nder hinsichtlich des Kriegs in Tschetschenien? Man zog es vor, die Augen vor dem Russisch-Tschetschenischen Krieg zu schlie\u00dfen. Was denken Sie dar\u00fcber?<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Iljas Achmadow:<\/strong> Leider handelt es sich dabei um den Zynismus der Realpolitik. Ich hatte meine eigenen schlechten Erfahrungen gemacht, als ich Einfluss in den westlichen L\u00e4ndern fand. Aber ich konnte es nicht zum Erfolg f\u00fchren. Vor allem nach 2001, als die USA und die europ\u00e4ischen L\u00e4ndern begannen zu denken, die Russische F\u00f6deration w\u00e4re ihr Begleiter im Kampf gegen den Terrorismus. Allerdings sind der Terrorismus in seiner Form im Nordkaukasus und der Terrorismus in seiner Form im Nahen Osten v\u00f6llig unterschiedlich. Diese Terroristen haben ganz andere Beweggr\u00fcnde. Russland setzt den Staatsterrorismus gegen die Zivilbev\u00f6lkerung ein und aus diesen Gr\u00fcnden bekommen sie daf\u00fcr die Antworten. Die Vereinigten Staaten oder die westlichen L\u00e4ndern schlossen ihre Augen mit unterschiedlichen Zielsetzungen. Auch heute noch wird niemand, der eine offizielle Position in den USA oder Westeuropa innehat, die Begriffe &#8220;Kriegsverbrechen gegen die Zivilbev\u00f6lkerung&#8221; oder &#8220;massive T\u00f6tungen in Tschetschenien&#8221; verwenden. Ein Viertel der tschetschenischen Bev\u00f6lkerung wurde ohne jegliche Gerechtigkeit get\u00f6tet und alle Siedlungen wurden von Russland zerst\u00f6rt. 1999 hatte Russland nur ein Problem und das war Tschetschenien, aber die russische Politik bringt den Terrorismus hervor und nun haben Sie Probleme im gesamten Nordkaukasus. Allerdings hat Russland kein Programm, keinen Mechanismus oder Standpunkt zur L\u00f6sung dieses Problems. Vor Kurzem wurde ein Bombenanschlag im Domodedovo-Flughafen in Moskau ver\u00fcbt. Das kommt von der russischen Politik, aber Russland wirft stets anderen Gruppen oder Staaten Terrorismus vor. Das ist nicht wahrheitsgem\u00e4\u00df. Gleichzeitig ist auch allen westlichen L\u00e4ndern bewusst, dass das nicht wahr ist. Aber sie setzen ihr Spiel mit Russland fort, da sie russisches Gas, Benzin oder den Transit nach Afghanistan ben\u00f6tigen. Ich glaube, der Westen nutzt diese Positionen und treibt Russland zu gro\u00dfen Problemen wie diesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Waynakh Online: Lassen Sie uns \u00fcber Ihr Buch sprechen. Wie beschreiben <a href=\"http:\/\/www.waynakh.com\/eng\/2010\/12\/the-chechen-struggle-independence-won-and-lost\/\">Sie Ihr Buch<\/a> f\u00fcr diejenigen, die es noch nicht gelesen haben?<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Iljas Achmadow:<\/strong> <a href=\"http:\/\/www.waynakh.com\/eng\/2010\/12\/the-chechen-struggle-independence-won-and-lost\/\">Das Buch<\/a> handelt vor allem von den Beziehungen der Tschetschenen untereinander und den Problemen des Widerstands. Wir haben versucht zu analysieren, was passiert ist. Russlands grauenhafte Politik gegen\u00fcber der unabh\u00e4ngigen Tschetschenischen Republik Itschkeria ist bekannt und wurde verstanden, aber unsere Fragestellung gilt nicht Russland. Welche Art von Problemen trat auf unserer Seite auf, als die Teilung innerhalb der tschetschenischen Bewegung begann? Nat\u00fcrlich geht es auch um unsere F\u00fchrerschaft. Es wurde sehr viel geschrieben \u00fcber Dudajew, Maschadow und Bassajew. Aber das ist nur Propaganda. Ich war ein normaler B\u00fcrger und Soldat zu Beginn der russischen Besatzung. Ich war nicht sehr eng mit Dudajew, aber ich war w\u00e4hrend des ersten Russisch-Tschetschenischen Kriegs sehr nah zu Schamil Bassajew und Aslan Maschadow. Es war ganz anders als die russische Propaganda es beschrieb oder auch anders als das, wie es westlichen Beobachtern schien. Ich habe versucht, so viel wie m\u00f6glich aus meiner Sicht zu erkl\u00e4ren und \u00fcber meine Erfahrungen zu schreiben als jemand, der diese Menschen kannte, wie sie Entscheidungen trafen, wie sie in einigen Situationen und besondere Ereignissen in dieser Zeit agierten. Neben meinen Erinnerungen haben wir Miriam Lanskoy als externe Beobachterin mit ihren Forschungen \u00fcber Tschetschenien herangezogen. Ich denke, dass es lesbar ist. Ich hoffe, dass es seinen Zweck erf\u00fcllt und die Menschen verstehen, was passiert ist. Wie Zbigniew Brzezinski, der das Buch vorgestellt hat, sagte: &#8220;Das Volk, das seine Vergangenheit nicht kennt, wird nie eine Zukunft haben &#8230;&#8221;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Waynakh Online: Nach der Pr\u00e4sentation Ihres Buches, <a href=\"http:\/\/www.waynakh.com\/eng\/2011\/01\/russia-angry-at-the-united-states-because-of-akhmadovs-book\/\">verurteilte zuerst das russische Au\u00dfenministerium die USA<\/a> und dann organisierte eine <a href=\"http:\/\/www.waynakh.com\/eng\/2011\/01\/young-russians-demand-akhmadovs-extradition\/\">russische Jugendbewegung eine Protestversammlung in Moskau<\/a>. Was halten Sie davon?<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Iljas Achmadow:<\/strong> Es ist der traditionelle Schwachsinn der russischen B\u00fcrokratie. Es ist sehr lustig, selbst w\u00e4hrend der Sowjetzeiten hat das russische Au\u00dfenministerium nie die Herausgabe eines Buchs verhindert. Es ist das erste Mal, dass so etwas geschieht. Ich habe keine Erkl\u00e4rung daf\u00fcr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Waynakh Online: K\u00f6nnten Sie die aktuelle Situation in Tschetschenien beschreiben?<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Iljas Achmadow:<\/strong> Die ausl\u00e4ndischen Beobachter und Journalisten, die nach Tschetschenien gehen, sprechen nur \u00fcber neu gebaute H\u00e4user. Aber das hat keine Bedeutung f\u00fcr die Menschen, und es bedeutet auch nicht, dass Ramsan Kadyrow mehr Unabh\u00e4ngigkeit bringt als Dschochar Dudajew oder Aslan Maschadow. Das ist nicht wahr. Ramsan Kadyrows Regierung ist eine russische Regierung. Ramsan Kadyrow ist keine unabh\u00e4ngige Person, er ist nur ein russischer Angestellter. Und auch jetzt ist Ramsan Kadyrow sehr zweckm\u00e4\u00dfig f\u00fcr alle. Beispielsweise wenn wir den Westen nehmen, was auch immer in Tschetschenien passiert, sie sprechen nur \u00fcber Kadyrow und kritisieren ihn nur. Aber Kadyrow hat nicht 250.000 Menschen get\u00f6tet oder auch nicht alle St\u00e4dte und D\u00f6rfer in Tschetschenien zerst\u00f6rt. Durch Ramsan Kadyrows Existenz hat der Westen einen guten Grund, Moskau, die Kreml-Politik oder die russischen Kriegsverbrechen in Tschetschenien nicht direkt zu kritisieren. Aber auf der anderen Seite ist Ramsan Kadyrow eines der besten Werkzeuge f\u00fcr die russische Kolonialpolitik im Nordkaukasus und vor allem in Tschetschenien. Heute hat das tschetschenische Volk keine Rechte in Tschetschenien. Die tschetschenische Bev\u00f6lkerung hat nur ein Recht, ohne jegliche Gerechtigkeit get\u00f6tet zu werden. All die neuen H\u00e4user sind unbedeutend f\u00fcr mich, es ist nichts f\u00fcr die Menschen. In Tschetschenien hat heute rund 70% der Bev\u00f6lkerung keine Aussicht auf Arbeit. Ich glaube auch, dass die pro-russische Regierung in Tschetschenien die tschetschenische Mentalit\u00e4t und die tschetschenischen Traditionen zerst\u00f6rt hat. Aber ich m\u00f6chte noch einmal wiederholen, dass Ramsan Kadyrow nur ein Werkzeug ist in den H\u00e4nden von Russland, das ist nicht Ramsans Politik, es ist die Politik des Kremls.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Waynakh Online: Was denken Sie \u00fcber die aktuellen Probleme der Politiker untereinander auf der Itschkeria-Seite?<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Iljas Achmadow:<\/strong> Es sind typische Probleme zwischen emigrierten Politikern. Es ist nichts Neues, das sah man schon immer bei massenhaft politischen Auswanderern. Das ist normal. Ich muss darauf hinweisen, dass ich mit der Situation bei den tschetschenischen Politikern ungl\u00fccklich bin, aber es ist keine Trag\u00f6die. Leider l\u00e4uft das so zwischen allen politischen Emigranten nach solchen Ereignissen. Doch die Zeit wird alles heilen. Jetzt haben sie noch die M\u00f6glichkeit zu beobachten, wie Politik in westlichen L\u00e4ndern l\u00e4uft. Doch die L\u00f6sung dieser Probleme wird einige Zeit in Anspruch nehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Waynakh Online: Wie sehen Sie die Zukunft der Tschetschenischen Republik Itschkeria?<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Iljas Achmadow:<\/strong> Ich glaube, dass eines Tages, ich wei\u00df nicht wann, aber eines Tages wird dieser Konflikt gel\u00f6st werden. Nat\u00fcrlich h\u00e4ngt es von der russischen Seite ab, aber momentan sehe ich keine Zeichen von ihrer Seite. Russland verf\u00fcgt nicht \u00fcber einen Mechanismus, Probleme im Nordkaukasus zu l\u00f6sen oder im Hinblick auf den Krieg in Tschetschenien. Sie haben keine Programme und sehen keine L\u00f6sungen bei diesen Fragestellungen. Wenn Sie die nationale Politik Russlands begutachten, werden Sie deutlich erkennen, dass sich im Laufe der Jahrhunderte nichts in ihrer Politik ver\u00e4ndert hat. Wie man sieht funktioniert das einfach nicht mehr. Die Russen behaupten, sie seien in der Russischen F\u00f6deration \u00fcberlegen. Das ist unter Putin noch schlimmer geworden. Der Hass gegen ethnische Minderheiten dr\u00e4ngt sie weg von Russland. Sie werden sich daran erinnern, was gerade vor ein paar Wochen in Moskau passiert ist, all diese Faschisten marschierten und sagten &#8220;Russland den Russen!&#8221; Ich glaube nicht, dass Russland \u00fcber wirkliche Macht im Nordkaukasus verf\u00fcgt. Man sieht, wie viele milit\u00e4rische Truppen in Tschetschenien und im Nordkaukasus stationiert sind. Dies ist ein Symbol der Schw\u00e4che Russlands.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Waynakh Online: Seit einigen Jahren sind Sie auch Mitglied der neuen tschetschenischen Diaspora in den westlichen L\u00e4ndern. Was denken Sie \u00fcber die Situation der neuen Diaspora? Glauben Sie, dass neue Diaspora-Mitglieder in der Lage sind, ihre nationale Identit\u00e4t, Sprache und Traditionen zu retten?<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Iljas Achmadow:<\/strong> Vorab, in den Vereinigten Staaten haben wir eine sehr kleine Diaspora. Zum gr\u00f6\u00dften Teil kenne ich die Leute nicht. Ich kenne die Leute, die in meiner N\u00e4he leben, aber wie Sie wissen haben die Vereinigten Staaten ein gro\u00dfes Territorium und es ist unm\u00f6glich, mit allen in Kontakt zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich ist die Auswanderung eine harte Erfahrung, vor allem f\u00fcr das tschetschenische Volk. Als Mitglied der alten Diaspora m\u00fcssten Sie von Ihren Eltern wissen, was ich meine. Die tschetschenischen Menschen halten sehr viel auf enge Beziehungen, Verwandte und Traditionen. Nach den schrecklichen Erfahrungen in ihrer Heimat sto\u00dfen sie auf Kulturen der ganzen Welt. In dieser Situation wird das ein Problem. Andererseits waren wir auch schon in Tschetschenien geteilt. Manche teilen die Menschen auch in der Diaspora noch weiter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich will nicht sagen, dass es nur Probleme gibt. Wenn ich mir anschaue, was los ist in den westeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern, in denen Zehntausende Tschetschenen leben, sehe ich gro\u00dfartige Dinge. Zum Beispiel haben es einige in der Diaspora geschafft, kulturelle Organisationen zu gr\u00fcnden mit ihren Veranstaltungen und Aktivit\u00e4ten. Auch sehe ich, dass viele junge tschetschenische M\u00e4nner und Frauen in sehr ber\u00fchmten Universit\u00e4ten und Institutionen studieren. Es ist wirklich ungew\u00f6hnlich f\u00fcr uns und es ist wundervoll. Das ist eine gro\u00dfe Hoffnung f\u00fcr unser Land und unsere Zukunft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Waynakh Online: M\u00f6chten Sie noch etwas hinzuf\u00fcgen oder haben Sie eine Mitteilung an unsere Leser?<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Iljas Achmadow:<\/strong> Wenn wir bedenken, dass viele Ihrer Besucher Diaspora-Mitglieder aus westeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern sind, dann m\u00f6chte ich eigentlich nur sagen, sie sollen so viel wie m\u00f6glich lesen und studieren. Die Auswanderung ist etwas Schreckliches und wir m\u00fcssen auf die Konsequenzen vorbereitet sein. Das Wichtigste ist die Bildung. Das war ein gro\u00dfes Problem f\u00fcr das tschetschenische Volk. Ich meine damit nicht, dass das tschetschenische Volk keine Bildung mag oder sie keine gebildeten Menschen sind. Ich spreche einfach die Realit\u00e4t aus, dass sie nicht die M\u00f6glichkeit auf eine gute Ausbildung in der Sowjet- oder Zarenzeit bekamen. Das tschetschenische Volk wurde immer unterdr\u00fcckt. Jetzt ist die Zeit gut. Alles ist in unserer Hand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Waynakh Online: Herr Achmadow, vielen Dank f\u00fcr Ihre Zeit und f\u00fcr das Interview.<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir haben ein Telefoninterview mit dem ehemaligen Au\u00dfenminister der Tschetschenischen Republik Itschkeria, Iljas Achmadow, gef\u00fchrt. 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