{"id":86,"date":"2013-10-07T11:34:24","date_gmt":"2013-10-07T08:34:24","guid":{"rendered":"http:\/\/waynakh.com\/de\/?page_id=86"},"modified":"2013-10-07T11:34:24","modified_gmt":"2013-10-07T08:34:24","slug":"religion","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/waynakh.com\/de\/tschetschenen\/religion\/","title":{"rendered":"Religion"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.waynakh.com\/eng\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/chechen-praying-201x300.jpg\" width=\"201\" height=\"300\" \/>Lange Zeit haben die Tschetschenen nat\u00fcrliche Gottheiten angebetet, insbesondere den Sonnengott Malkha-Dela, dessen Name im Tschetschenischen als allgemeiner Begriff f\u00fcr Gott erhalten blieb. In den Gebirgsregionen hei\u00dfen die Gr\u00e4ber bis heute Sonnen-Grab, bezeugen uralte Felszeichnungen mit Sonnensymbolen den Sonnenkult. Einer der \u00e4ltesten Stammesverb\u00e4nde (Tukhum) ist der M\u00e4lkhi (Menschen der Sonne). Weitere G\u00f6tter der Waynachen (Tschetschenen und Inguschen) waren der Feuergott Ziu-Dela, der Jagdgott Elta, die G\u00f6ttin der Fruchtbarkeit Tuscholi und die G\u00f6ttin des Hauses Erda. Und es gab die G\u00f6ttin der Wahrheit Dika-Dela, die Friedensg\u00f6ttin Kchokha-Dela und den Gott des Ortes Pkha-Dela. Bis heute erinnert man sich in Tschetschenien an ein Ritual der Beschw\u00f6rung des Regengottes Khin-Dela.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Gruppe Kinder zieht von Haus zu Haus, einen Jungen mit sich f\u00fchrend, der eine wasserdichte Tasche \u00fcber den Kopf st\u00fclpt. Sie schreien: Schick ein Gewitter, Gott des Regens! Die Bewohner des Geh\u00f6fts \u00fcbergie\u00dfen den Jungen mit Wasser und verteilen S\u00fc\u00dfigkeiten an die Kinder.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt keine Hinweise darauf, dass Tschetschenien Verbindungen pflegte zum Christentum in Armenien, Georgien und dem kaukasischen Albanien. Jegliche missionarische Versuche stellten sich als erfolglos heraus, wie zum Beispiel die der Araber, die im 7. Jahrhundert versuchten, den Islam zu verbreiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Art, wie der Islam heute in Tschetschenien praktiziert wird, der Sufismus der Naqschbandi und die Kadiri-Tariqas (Orden), kamen im sp\u00e4ten 18. Jahrhundert aus Dagestan. Die Essenz des Sufismus ist eine enge Bindung zwischen dem Gelehrten (Murid \u2013 der Sucher) und dem Lehrer, den Scheichs. Der Scheich verspricht, den Muriden zu einer mystischen Erfahrung mit Gott zu verhelfen und am Tag des J\u00fcngsten Gerichts f\u00fcr ihn zu sprechen. Der Muride zeigt Ergebenheit und Demut gegen\u00fcber dem Scheich und erh\u00e4lt Anleitungen zu allen Fragen der Religion und des Lebens. Wir wissen nicht mit Sicherheit, ob der Sufismus bereits von Scheich Mansour Ushurma gelehrt wurde, der den ghazavat (heiligen Krieg) auf der Grundlage von strikter, religi\u00f6ser Moral und der Scharia (Islamisches Gesetz) organisierte, gegen die Eroberung von russischen Ungl\u00e4ubigen in den Jahren 1785 bis 1791. Ab 1825 begannen die Tschetschenen, die religi\u00f6sen F\u00fchrer aus Dagestan Mullah Mohammed, Ghazi Mohammed und Imam Schamil zu unterst\u00fctzen. Schamil errichtete in Tschetschenien und Dagestan einen theokratischen Staat mit einem religi\u00f6sen Fundament. 40 Jahre lang setzten sie sich zur Wehr gegen den zaristischen Expansionismus. Es zerfiel letztendlich, da es zu autokratisch war f\u00fcr die tschetschenische Vorstellung von Freiheit, erschwert durch Inkompatibilit\u00e4ten zwischen der Scharia und dem Adat, und zweifellos der Ohnmacht, die angesichts Russlands unerm\u00fcdlicher Armeen vorherrschte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.waynakh.com\/eng\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/chechen-zikr-round1-300x214.jpg\" width=\"300\" height=\"214\" \/>W\u00e4hrend der Sowjet-\u00c4ra wurde die Religion schwer unterdr\u00fcckt, aber \u00fcberlebte in kleinen Tariqas, genannt Virds, die unterschiedliche Heilige anbeteten und manchmal sogar untereinander feindlich gesinnt waren. Die Deportation der Tschetschenen in den Jahren 1944 bis 1957 trug zum Entstehen eines kollektiven, tschetschenischen Nationalit\u00e4tsgef\u00fchls bei und zu einer Erneuerung der Verbindungen mit dem Islam. Der Kadiri-Orden spielte dabei eine gro\u00dfe Rolle. Nach der R\u00fcckkehr in den Kaukasus, wurde der Sufismus \u2013 der viele volkst\u00fcmliche Traditionen aufgesogen hatte \u2013zunehmend durch die Staatsbeh\u00f6rden und dem KGB infiltriert. Fast alle Muftis (religi\u00f6se F\u00fchrer), denen es gestattet wurde zu studieren, waren KGB-Offiziere. Die abgeschw\u00e4chte Form des Islam ist insbesondere f\u00fcr die jungen Tschetschenen inakzeptabel. Sie finden gr\u00f6\u00dfere Anziehung in der radikalen Erneuerung des Islam, angestrebt durch den Wahhabismus, der die Einheit Gottes, die absolute Gewalt des Korans und der Propheten, die strengen Regeln der Scharia, die Gleichheit vor Allah aller Gl\u00e4ubiger betont und das Ende von h\u00e4ufig naiven Volkstraditionen vorantreibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Besonders interessant, die fr\u00fchen Wahhabi-Prediger in Tschetschenien \u2013 wie Adam Deniev \u2013 waren KGB-Agenten. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass der Wahhabismus in den fr\u00fchen 90er Jahren durch den KGB benutzt wurde, um dem Wiederaufleben des volkst\u00fcmlichen Islams entgegenzuwirken. W\u00e4hrend der Tschetschenienkriege wurde der Wahhabismus vor allem durch Spenden und Freiwilligen aus Saudi Arabien gef\u00f6rdert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich hinterlassen 70 Jahre sowjetische Herrschaft Spuren der S\u00e4kularisierung. Es gibt viele atheistische Tschetschenen, die die islamische Tradition nur deshalb befolgen, weil es ein fester Bestandteil der sich neu formenden nationalen Identit\u00e4t ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lange Zeit haben die Tschetschenen nat\u00fcrliche Gottheiten angebetet, insbesondere den Sonnengott Malkha-Dela, dessen Name im Tschetschenischen als allgemeiner Begriff f\u00fcr Gott erhalten blieb. 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