{"id":901,"date":"2017-08-22T19:02:08","date_gmt":"2017-08-22T16:02:08","guid":{"rendered":"http:\/\/waynakh.com\/de\/?p=901"},"modified":"2017-08-22T19:04:04","modified_gmt":"2017-08-22T16:04:04","slug":"die-geschichte-der-graber-der-groseltern","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/waynakh.com\/de\/2017\/08\/22\/die-geschichte-der-graber-der-groseltern\/","title":{"rendered":"Die Geschichte der Gr\u00e4ber der Gro\u00dfeltern"},"content":{"rendered":"<div align=\"justify\">Zwischen November 1943 und Dezember 1944, als von der deutschen Wehrmacht schon keine Gefahr mehr ausging, lie\u00dfen Stalin die Krimtataren, die Kalm\u00fccken und die Kaukasusv\u00f6lker der Tschetschenen, Inguschen, Karatschaier, Balkaren und Mescheten nach Mittelasien deportieren. Zehntausende Lastwagen und G\u00fcterwaggons, 100.000 NKWD-Soldaten und drei Armeen der Landstreitkr\u00e4fte wurden daf\u00fcr, trotz des \u00bbGro\u00dfen Vaterl\u00e4ndischen Krieges\u00ab, in den Kaukasus geschickt. Eine Untersuchungskommission des NKWD hatte im Oktober 1943 die Region bereist und war zum Schluss gekommen, dass Tschetschenen und Inguschen religi\u00f6se Fanatiker und Banditen und eine st\u00e4ndige Bedrohung f\u00fcr die sowjetische Ordnung seien. Als Begr\u00fcndung f\u00fcr die Deportation wurde ihnen eine Kollaboration mit dem faschistischem Feind unterstellt.<\/div>\n<p>\n<!--more--><\/p>\n<div align=\"justify\">Die Namen der jeweiligen Territorien wurden umbenannt und die Grenzen neu gezogen, w\u00e4hrend die einzelnen Ethnien in Z\u00fcgen ins ferne Zentralasien, nach Kasachstan und Kirgistan, gebracht wurden. Teile der tschetscheno-inguischen Republik wurde den Nachbarv\u00f6lkern, den Osseten, Dagestanern sowie Georgier zugeschlagen und der Rest bildete die Oblast Grosny. Die ethnisch ges\u00e4uberten Territorien wurden mit Menschen aus den Nachbargebieten, aber auch aus dem inneren Russlands und der Ukraine besiedelt. Der sowjetische Staat veranlasste die \u00c4nderung von Stra\u00dfen und Ortsnamen, er lie\u00df Denkm\u00e4ler und Archive zerst\u00f6ren, B\u00fccher aus Bibliotheken wegschaffen und Eintr\u00e4ge zu diesen V\u00f6lkern aus der Gro\u00dfen Sowjetischen Enzyklop\u00e4die l\u00f6schen. Alle Denkm\u00e4ler zu Ehren von B\u00fcrgerkriegshelden wurden vernichtet. In Grosny beseitigten die Beh\u00f6rden das 1923 eingeweihte Monument zu Ehren des \u00bbersten Kommunisten\u00ab Tschetscheniens Aslanbek Seripovs. Jede Erinnerung an diese V\u00f6lker sollte getilgt, ihr Beitrag im B\u00fcrgerkrieg und beim Aufbau des Sozialismus negiert werden. Dagegen wurde nun das Denkmal an den zaristischen General Alexei Jermolow in Grosny wieder aufgestellt, das in der fr\u00fchen Sowjetzeit entfernt worden war. Ihm wird der Satz zugeschrieben: \u00bbIch habe keine Ruhe, solange noch ein einziger Tschetschene am Leben ist!\u00ab<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Selbst die Gr\u00e4ber von Tschetschenen und Inguschen wurden systematisch zerst\u00f6rt und die Steine f\u00fcr den Bau von H\u00e4user benutzt, denn niemand sollt den Namen dieser V\u00f6lker mehr nennen oder sie kennen. Vergessen auf Befehl?<\/div>\n<p><\/p>\n<p><center><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-906 aligncenter\" src=\"http:\/\/waynakh.com\/de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/2.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"250\"><\/center><\/p>\n<div align=\"justify\">Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde, w\u00e4hrend der kurzen Periode der Freiheit unter der Herrschaft des Pr\u00e4sidenten Dschochar Dudajew \u00fcber die tschetschenische Republik Itschkeria, der Gedenktag der Deportation nicht nur als Trauertag, sondern auch als Tag der Einigung und Wiederbelebung erinnert. In den fr\u00fchen 1990er Jahren wurde im Zentrum von Grosny ein Denkmal errichtet, das den Opfern stalinistischer Repressionen gewidmet war. Dieses Denkmal bestand ausschlie\u00dflich aus alten Grabsteinen, die in sowjetischen Zeiten missbraucht wurden, um H\u00e4user, Br\u00fccken oder Stra\u00dfen zu bauen. Es stellt die Hand eines Mannes dar, der einen Kindschal h\u00e4lt und ihn Richtung Himmel h\u00e4lt, mit der tschetschenischen Inschrift, Dukhur dats! D\u00f6lkhur dats! Dits a diir dats! (Wir werden nicht brechen, wir werden nicht weinen, wir werden es nicht vergessen!).<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Der Historiker Jeronim Perovic beschreibt in seinem Werk \u00bbDer Nordkaukasus unter russischer Herrschaft &#8211; Geschichte einer Vielv\u00f6lkerregion zwischen Rebellion und Anpassung\u00ab wie Ramsan Kadyrow, der die Republik seit 2007 mit eiserner Hand und von Russlands Gnaden regiert, zwar die Trag\u00f6die der Deportation nie offen abstreitet aber vermeidet, bei der Frage nach der Schuld und Verantwortung konkrete Gr\u00fcnde oder Personen zu nennen: So meinte Kadyrow in einer Ansprache an die Bev\u00f6lkerung im Rahmen des neuen von ihm eingef\u00fchrten \u00bbTages der Erinnerung und der Scham der V\u00f6lker Tschetscheniens\u00ab am 10. Mai 2011: \u00bbEs ist bekannt, dass es immer irgendwelche Leute sind, die durch Fehler oder vors\u00e4tzliches Handeln Verantwortung f\u00fcr eine solche Volkstrauer tragen. Uns geht es heute aber nicht darum, irgendwelche Namen zu nennen.\u00ab Am Gedenken an die Deportation h\u00e4lt zwar Kadyrow nominell fest, doch hat er im Fr\u00fchjahr 2011 kurzerhand angeordnet, das Datum vom 23. Februar auf den 10. Mai zu verschieben. Neu soll der Deportation im Rahmen eines allgemeinen \u00bbTags der Erinnerung und der Scham der V\u00f6lker Tschetscheniens\u00ab gedacht werden. Erinnert werden soll an diesem Tag aber nicht nur das Leid der Tschetschenen, sondern vor allem Kadyrows am 9.Mai 2004 ermordeten Vater, Achmat Kadyrow. Dieser bek\u00e4mpfte wie alle Tschetschenen im ersten Krieg zun\u00e4chst die f\u00f6deralen Truppen, wechselte aber die Seite, um dann von Moskau als Oberhaupt von Tschetschenien eingesetzt zu werden. In dieser Leseart beginnt die Geschichte Tschetscheniens als autonome Republik nicht mit Dschochar Dudajew, sondern mit Achmat Kadyrow. Weil dessen Todestag mit dem nationalen Feiertag vom 9. Mai, dem \u00bbTag des Sieges \u00fcber den Faschismus\u00ab kollidierte, ordnete Ramzan an, den Gedenktag auf den 10. Mai zu verlegen. Mit seinem Entscheid kn\u00fcpft Kadyrow im Grunde genommen an sowjetische Auffassungen von V\u00f6lkerfreundschaft an, wie sie gegenw\u00e4rtig auch von der Kremlf\u00fchrung zelebriert werden. Dies mag im Sinne eines Bestrebens zu verstehen sein. Die j\u00fcngsten geschichtlichen Entwicklungen haben aber gerade im Fall von Tschetschenien gezeigt, welch gro\u00dfes Konfliktpotenzial solche politisch motivierten Auslegungen der Geschichte in sich bergen. Denn die Geschichte ist damit noch immer nicht aufgearbeitet. Sie ist nicht vergessen \u2013 und nicht abgeschlossen.<\/div>\n<p><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-912 aligncenter\" src=\"http:\/\/waynakh.com\/de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/3.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"250\"><\/p>\n<div align=\"justify\">Bereits im Jahr 2008 versuchte Ramsan Kadyrow, die Vergangenheit umzuschreiben, indem er das Denkmal von Dschochar Dudajew, das 1992 f\u00fcr die Opfer von Stalins Deportation im Jahre 1944 gebaut wurde, zu einer M\u00fcllhalde verlegen wollte. Shahman Akbulatow sagte gegen\u00fcber dem kaukasischen Knoten, dass die Behauptung dieses Denkmal w\u00fcrde nicht in einen bestimmten Masterplan f\u00fcr die Wiederherstellung der Stadt passen, diene nur als Begr\u00fcndung zu Beseitigung und sei sehr weit hergeholt, respektive entspr\u00e4che nicht der Realit\u00e4t. Der Versuch, die Vergangenheit zu ver\u00e4ndern scheiterte unter anderem an dem politischen Protest und der \u00f6ffentlichen Emp\u00f6rung im Umgang mit den Ahnen und Aardakh. Die Menschenrechtsaktivistin Natalia Estemirova spielte eine bedeutende Rolle bei diesen Protesten und es war unter anderem ihrem Einsatz zu verdanken, dass es zu einer Erhaltung der Gr\u00e4ber kam. Ein Jahr sp\u00e4ter wurde Sie in Grosny entf\u00fchrt und man fand ihre Leiche wenige Tage sp\u00e4ter in der N\u00e4he von Nasran[1].<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Der Kaukasuskorrespondent Manfred Quiring beschrieb die Beerdigung von Natalia Estemirova an der er pers\u00f6nlich teilnahm: Grosny \u2013 Es ist die absolute Endg\u00fcltigkeit, dieses \u00bbNie wieder\u00ab das Lana immer noch nicht so recht begreifen kann. Die 15-j\u00e4hrige Tschetschenin ahnt es mehr, als dass sie es wei\u00df: \u00bbVon jetzt an wird in meinem Leben immer etwas fehlen, nie mehr wird es so sein, wie es einmal war.\u00ab Lana, den Kopf mit einem schwarzen Tuch verh\u00fcllt, trauert um ihre ermordete Mutter, die tschetschenische B\u00fcrgerrechtlerin Natascha Estemirowa. (\u2026) Tr\u00e4nen hat Lana kaum noch in ihrer Trauer \u00fcber den unersetzlichen Verlust, den sie erlitten hat. Es ist Donnerstag, der Tag, an dem die Tschetschenen traditionell ihre Totenfeier, den Sach, begehen. \u00bbNat\u00fcrlich wusste ich, dass meine Mutter irgendwann sterben w\u00fcrde\u00ab sagt Lana, ein kluges, schmales M\u00e4dchen, dem die durchlittenen Leiden der vergangenen Tage ins Gesicht geschrieben stehen. \u00bbAber doch nicht schon jetzt!\u00ab Ein leiser Satz, der klingt wie ein Schrei. \u00bbIch hatte mir immer vorgestellt, dass meine Mutter ein langes, gutes Leben im Kreise ihrer Enkel f\u00fchren wird\u00ab sagt die 15-J\u00e4hrige. (\u2026) Natascha, die eigentlich Lehrerin war, hatte sich immer als Anw\u00e4ltin der Verfolgten verstanden, ihnen geholfen, sich f\u00fcr sie eingesetzt. Dabei war sie regelm\u00e4\u00dfig mit den Leuten von Pr\u00e4sident Ramsan Kadyrow zusammengesto\u00dfen. Kadyrow hasste sie daf\u00fcr, ihre Landsleute liebten sie. \u00bbSie war das Herz, das Hirn der Organisation\u00ab erinnert sich eine Freundin. \u00bbDer Flur bei ihr war immer voller Hilfsbed\u00fcrftiger, aber alle wollten nur mit ihr sprechen, ihr haben sie vertraut.\u00ab<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">W\u00e4hrend Kadyrow seine Macht nach der Eliminierung von Natascha Estemirowa, Sarema Sadulajewa, Alik Umar Dschabrailow und Stanislaw Markelow unter der Schirmherrschaft seines Patrons Putin ausbaute, zerlegte er ebenfalls Schritt f\u00fcr Schritt das Denkmal zum Andenken an Aardakh. Im Jahr 2010 wurde es g\u00e4nzlich umz\u00e4unt und wurde dadurch nicht nur unzug\u00e4nglich, sondern auch unsichtbar von au\u00dfen. Im Fr\u00fchjahr 2011 befahl Kadyrow, das Datum des Gedenktags vom 23. Februar auf den 10. Mai zu verschieben und begann, den Fokus von der Deportation auf das \u00bbUnsterbliche Regiment\u00ab und die \u00bbunzerst\u00f6rbare V\u00f6lkerfreundschaft\u00ab zu verlagern, wie sie w\u00e4hrend des Stalinismus propagiert wurde und den Krieg als \u00bbgemeinsame Angelegenheit aller Arbeiter ohne Unterschiede in der Nationalit\u00e4t oder religi\u00f6sen Zugeh\u00f6rigkeit\u00ab stilisierte.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-915 aligncenter\" src=\"http:\/\/waynakh.com\/de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/4.png\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"250\"><\/div>\n<div align=\"justify\">Im Februar 2014 wurde das Denkmal, das 1992 f\u00fcr die Opfer von Stalins Deportation im Jahre 1944 gebaut wurde, auf Anliegen von Kadyrov \u00bbrenoviert und restauriert\u00ab. Verschiedene Churty (Grabsteine) wurden dabei besch\u00e4digt oder zerst\u00f6rt, um Platz f\u00fcr das Denkmal f\u00fcr Kadyrovs Vater zu schaffen, der am 9. Mai 2004 ermordet wurde. Die Grabsteine aus den Friedh\u00f6fen, die nach der Deportation entweiht wurden, welche die Tschetschenen in den 90er Jahren aus der ganzen Republik in die Gedenkst\u00e4tte gebracht hatten, wurden in einen Komplex mit ganz anderer Bedeutung verlegt. Letzterer ist den russischen Polizisten gewidmet, die im Nordkaukasus get\u00f6tet wurden und befindet sich an der Stelle, an der die Akhmad Kadyrov Avenue zur Putin Avenue f\u00fchrt.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-916 aligncenter\" src=\"http:\/\/waynakh.com\/de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/5.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"250\"><\/div>\n<div align=\"justify\">Nicht nur wurde dieses Denkmal beseitigt &#8211; ein Viehwagen, als Symbol der Deportation, welcher nur wenige Monate vorher installiert wurde, war ebenfalls auf einmal verschwunden. Im selben Monat kam Ruslan Kutayev wegen angeblichen Drogenbesitzes hinter Gitter. Dies geschah, nachdem er eine Konferenz zum siebzigsten Jahrestag der von Stalin beauftragten Deportation der Nordkaukasier organisiert hatte. Der tschetschenische Pr\u00e4sident Ramsan Kadyrov war \u00fcber die Abhaltung dieser Konferenz nicht gl\u00fccklich. Nach Beendigung der Tagung wurden die Organisatoren von Magomed Daudov \u2013 der Herr genannt \u2013 angerufen und zu einem Treffen mit dem Pr\u00e4sidenten eingeladen. Ruslan Kutayev kam dieser Aufforderung nicht nach. Einen Tag sp\u00e4ter, am 20. Februar 2014, wurde er verhaftet. Laut offiziellen Informationen haben ihn die Sicherheitstruppen im Dorf Gechi zuf\u00e4llig kontrolliert. Bei der Durchsuchung wurden in der Ges\u00e4\u00dftasche Kutayevs, der keine Drogen nimmt und Nichtraucher ist, 3 Gramm Heroin gefunden. Nach seiner Festnahme wurde er gefoltert und zu einem Gest\u00e4ndnis gezwungen. Laut Kutayevs Aussage haben auch der Stellvertreter des tschetschenischen Innenministers Apti Alaudinov und der Leiter des Pr\u00e4sidentenb\u00fcros Magomed Daudov aktiv an der Folterung teilgenommen. Kutayev wurde nackt in einem Keller gefangen gehalten, eine Axt wurde ihm in den Nacken gehalten und gleichzeitig wurde er mit Strom gequ\u00e4lt. W\u00e4hrend der Folterung verlor er mehrmals das Bewusstsein, er erlitt eine Gehirnersch\u00fctterung, umfangreiche Quetschungen und Prellungen, hatte Rippen- und Kieferverletzungen. Sie zeigten in Fotos von seinem Neffen. Aus den aktuellen Fotos sollte er erkennen, dass er und seine Familie unter st\u00e4ndiger Beobachtung stehen. \u00bbDer physische Schmerz ist weg, meine Wunden sind verheilt, aber die Gewissheit, dass die Regierung die Sicherheitstruppen dazu benutzt, um gegen Politiker, Zivilaktivisten und Menschenrechtler zu k\u00e4mpfen, erf\u00fcllt mich mit Entsetzten, weil ich wei\u00df, dass diese Menschen ein \u00e4hnliches Schicksal erwartet.\u00ab sagte Kutayev in seiner Abschlussrede vor dem Gericht.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Im Jahr 2015 beginnt Apti Alaudinov, der stellvertretende Innenminister von Tschetschenien in Kooperation mit Kadyrows digitalem Troll Kommando gezielt alle Internetseiten anzugreifen, die Abreken ehren, welche sich der Deportation wiedersetzt haben. Insbesondere weibliche K\u00e4mpfer wie Laisat Baisarova, welche in Inguschetien als Abrek gegen die NKVD-Truppen auch Jahre nach der Deportation k\u00e4mpfte, scheinen dem Machthaber durch Moskaus Gnaden nicht zu gefallen. Laisat Baisarova war einer von vielen Frauen, die sich dem Wald anschlossen und Widerstand leisteten und deren Schicksal im heutigen Tschetschenien zum Schweigen gebracht wird, weil Sie nicht dem weiblichen Bild von Ramzan Kadyrow entspricht. In Tschetschenien ist die massive Ungleichbehandlung, ja Unterdr\u00fcckung der Frauen Teil der russischen Regierungspolitik. Auch wenn Ramsan Kadyrow behauptet, eine muslimisch gepr\u00e4gte Republik zu f\u00fchren, die sich nach den Regel des traditionellen tschetschenischen Adat richte und an der russischen Verfassung orientiere, ist es doch seine eigene zutiefst chauvinistische und frauenfeindliche Politik, die den Alltag der Frauen in Tschetschenien bestimmt. Diese massive Einmischung Kadyrows in Familienangelegenheiten der Zivilbev\u00f6lkerung widerspricht auch den Traditionen in Tschetschenien selbst. Diese Eheschlie\u00dfung ist ein weiterer Schritt &#8211; nach der Einf\u00fchrung einer Kleiderordnung f\u00fcr Frauen 2010\/2011 (Kopftuch, lange R\u00f6cke), dem Verbot, B\u00e4rte, bzw. lange B\u00e4rte zu tragen f\u00fcr M\u00e4nner etc. &#8211; hin zu einer massiven Kontrolle auch des Privatbereichs. Kadyrov ist davon \u00fcberzeugt, Tschetschenien und auch seine B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger seien sein Besitz, das hat er in mehreren Fernsehinterviews gesagt.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-917 aligncenter\" src=\"http:\/\/waynakh.com\/de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/6.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"250\"><\/div>\n<div align=\"justify\">Im Februar 2017 begann der Bau der \u00bbGrosny Mall\u00ab, welche Teil von Ramzan Kadyrov neustem Projekt ist &#8211; der \u00bbAchmat-Turm\u00ab ein 435 Meter hohes Geb\u00e4ude mit einem Museum, dass seinem Vater gewidmet ist. Aktiv wirbt Kadyrov auf seinem eignem Instagram account f\u00fcr den Bau und betreibt massive Werbung, die Begeisterung der Bewohner von Grosny dagegen h\u00e4lt sich in Grenzen. Viele sch\u00e4tzen nicht sonderlich, dass Dank des riesigen Turms auf der anderen Stra\u00dfenseite von der zentralen Moschee, diese buchst\u00e4blich im Schatten des Gesch\u00e4ftszentrums stehen wird. Ein Zaun, der das Gebiet der zuk\u00fcnftigen \u00bbGrosny Mall\u00ab umgibt, schlie\u00dft sich eng an die Gedenkst\u00e4tte an die Opfer der Deportation von Dschhugaschwili am 23. Februar 1944 an. Die Bewohner bef\u00fcrchten, dass wegen der zuvor beschriebenen Ereignissen in der Vergangenheit das Denkmal v\u00f6llig zerst\u00f6rt wird, obwohl die Beh\u00f6rden das Gegenteil versichern.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Weil das Geb\u00e4ude in der Russischen F\u00f6deration am h\u00f6chsten ist &#8211; 59 Meter h\u00f6her als der \u00bbVostok\u00ab Turm des Moskauers \u00bbVerband\u00abKomplex \u2013 wurde es bereits als Turm von Babel bezeichnet. Obwohl Variationen \u00e4hnlich der biblischen Erz\u00e4hlung vom Turmbau zu Babel in der islamischen Tradition existieren, ist das zentrale Thema vom Gott der die Menschheit auf der Grundlage Sprache trennt dem Islam fremd, nach Ansicht des Autors Yahiya Emerick. Im islamischen Glauben, so argumentiert er, schuf Gott die Nationen, um sich zu kennen und nicht zu trennen \u2013 doch Kadyrov k\u00fcmmert sich wenig darum, der selbsternannte Besch\u00fctzer der Al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem feierte noch 2011 feucht fr\u00f6hliche Heiligabend als Weihnachtsmann verkleidet. Dasselbe Jahr als der Pr\u00e4sident von Tschetschenien f\u00fcr sich beschloss, dass es ehrw\u00fcrdiger w\u00e4re am 10.Mai mit den F\u00f6deralen seinen Vater zu feiern, als am 23. Februar ein anst\u00e4ndiges Andenken an Aardakh erlauben. Was sind schon die Gr\u00e4ber der Gro\u00dfv\u00e4ter im Vergleich zu einem Gesch\u00e4ftszentrum?<\/div>\n<p><\/p>\n<p><strong>Koban Kunta<\/strong><\/p>\n<div align=\"justify\"><em>1. Im gleichen Monat wurden auch Sarema Sadulajewa und Alik Umar Dschabrailow, welche sich f\u00fcr die Kinder des Krieges einsetzten wie Natalia Estemirova entlang der R217 nach Inguschetien gebracht und get\u00f6tet. Das schneiden der Spur indem man die Leiche in die benachbarte Republik bringt ist ein altes Spiel der Operative.<\/em><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwischen November 1943 und Dezember 1944, als von der deutschen Wehrmacht schon keine Gefahr mehr ausging, lie\u00dfen Stalin die Krimtataren, die Kalm\u00fccken und die Kaukasusv\u00f6lker der Tschetschenen, Inguschen, Karatschaier, Balkaren und Mescheten nach Mittelasien deportieren. &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"views":2104,"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/waynakh.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/901"}],"collection":[{"href":"http:\/\/waynakh.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/waynakh.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/waynakh.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/waynakh.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=901"}],"version-history":[{"count":14,"href":"http:\/\/waynakh.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/901\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":921,"href":"http:\/\/waynakh.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/901\/revisions\/921"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/waynakh.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=901"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/waynakh.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=901"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/waynakh.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=901"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}<!-- WP Super Cache is installed but broken. 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