{"id":731,"date":"2014-05-27T12:54:56","date_gmt":"2014-05-27T09:54:56","guid":{"rendered":"http:\/\/waynakh.com\/de\/?p=731"},"modified":"2014-06-09T12:59:10","modified_gmt":"2014-06-09T09:59:10","slug":"achmed-sakajew-medet-onlu-war-unentbehrlich-fur-uns","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/waynakh.com\/de\/2014\/05\/27\/achmed-sakajew-medet-onlu-war-unentbehrlich-fur-uns\/","title":{"rendered":"Achmed Sakajew: &#8220;Medet \u00d6nl\u00fc war unentbehrlich f\u00fcr uns&#8230;&#8221;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Medet \u00d6nl\u00fc<\/strong>, <em>Ehrenkonsul der Tschetschenischen Republik Itschkeria in der T\u00fcrkei<\/em>, wurde am 22. Mai 2013 in seinem B\u00fcro erschossen. Am ersten Jahrestag seines Todes hat das monatlich erscheinende t\u00fcrkischsprachige, tschetschenische Magazin &#8220;<a href=\"http:\/\/www.marshodergisi.blogspot.com\" target=\"_blank\"><strong>Marsho<\/strong><\/a>&#8221; ein spezielles Interview gef\u00fchrt mit dem <strong>Premierminister Achmed Sakajew<\/strong>.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Marsho: Herr Premierminister, wann und wo haben Sie Medet \u00d6nl\u00fc getroffen?<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Achmed Sakajew:<\/strong> Ich traf Medet \u00d6nl\u00fc 2001 in Istanbul, in der T\u00fcrkei, als ich im Auftrag von unserem Pr\u00e4sidenten Aslan Maschadow einen offiziellen Besuch abstattete, der Erste seit Beginn des Zweiten Russisch-Tschetschenischen Kriegs. Der Anlass meines Besuchs waren die tschetschenischen Asylsuchenden, die allm\u00e4hlich in der T\u00fcrkei ankamen, um ihre Familien vor den russischen Aggressoren zu sch\u00fctzen, denen durch Putin der Auftrag erteilt wurde, so viele tschetschenische Zivilisten wie nur m\u00f6glich zu t\u00f6ten. Nach meiner Ankunft in der T\u00fcrkei habe ich zuerst Aslanbek Dandiyev besucht, den Leiter der Abteilung f\u00fcr Tourismus und Jugendpolitik, der aufgrund seiner Verletzungen irgendwann vor mir aus Tschetschenien geholt wurde. W\u00e4hrend unseres Gespr\u00e4chs riet er mir, mich mit Medet \u00d6nl\u00fc zu treffen, einen Patriot des tschetschenischen Volkes, Nachkomme der Muhadschire, die nach dem Ende des Kaukasisch-Russischen Kriegs im 19. Jahrhundert aus Tschetschenien in den Nahen Osten ausgewandert waren. Aslanbek zufolge hatte Medet gute Verbindungen zu Regierungskreisen in der T\u00fcrkei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich rief Medet an, der in Ankara war, aber am zweiten Tag unseres Gespr\u00e4chs kam er nach Istanbul. Und dank Medet schaffte ich es, nicht nur die Probleme mit den tschetschenischen Asylsuchenden zu l\u00f6sen, sondern auch sehr wichtige Themen rund um den tschetschenischen Widerstand. Er arrangierte f\u00fcr mich ein Treffen mit dem Minister f\u00fcr Innere Angelegenheiten der T\u00fcrkei und dem Stellvertretenden Ministerpr\u00e4sidenten der T\u00fcrkei. Ich gebe diese Informationen weiter, um zu verdeutlichen, wie wichtige die Rolle Medets in den tschetschenisch-t\u00fcrkischen Beziehungen war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Marsho: K\u00f6nnen Sie Ihren ersten Eindruck von Medet \u00d6nl\u00fc beschreiben?<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Achmed Sakajew:<\/strong> Vom ersten Moment unserer Begegnung an glaubte ich an die Aufrichtigkeit von Medet. Ich kann bezeugen, dass Medet ein wahrer Muslim, ein guter B\u00fcrger der T\u00fcrkei, ein gro\u00dfer Patriot und ein w\u00fcrdiger Sohn des tschetschenischen Volkes war. Unmittelbar nach unserem Treffen hatte Medet mich seiner Familie vorgestellt. Er sagte mir, dass er dank seiner Gro\u00dfmutter und Mutter seit seiner Kindheit versucht, sich an tschetschenische Traditionen und Verhaltensregeln zu halten. Medet erz\u00e4hlte mir, dass er, als er in den 90er Jahren von Dschochar Dudajew h\u00f6rte und erfuhr, wie Tschetschenien die Unabh\u00e4ngigkeit wiedererlangte, schwor, sein Leben f\u00fcr die Sache der Unabh\u00e4ngigkeit Tschetscheniens und der St\u00e4rkung des tschetschenischen Staates zu widmen. Seitdem bittete er den Allm\u00e4chtigen darum, ihm die Kraft zu geben, diesen Weg zu gehen. Dann bereitete sich Medet aktiv darauf vor, sich des tschetschenischen Problems anzunehmen: er studierte die tschetschenische Sprache und lernte nicht nur, sie brillant zu sprechen, sondern sie auch kompetent zu lesen und zu schreiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Marsho: Medet \u00d6nl\u00fc war der Ehrenkonsul der Tschetschenischen Republik Itschkeria in der T\u00fcrkei. Welche Rolle spielte er in der T\u00fcrkei und dem tschetschenischen Kampf?<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Achmed Sakajew:<\/strong> Als jemand, der direkt in die milit\u00e4rischen und politischen Entwicklungen in und um Tschetschenien in den letzten 20 Jahren involviert war, kann ich bezeugen, dass Medet einen gro\u00dfen Beitrag f\u00fcr den Kampf des tschetschenischen Volkes nach Freiheit und Unabh\u00e4ngigkeit geleistet hat. Als Mensch hat er seinem Volk selbstlos geholfen; und als Offizier der ChRI war er ein loyaler Patriot unseres Landes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er wurde auf meine Empfehlung hin zum Ehrenkonsul der Tschetschenischen Republik Itschkeria ernannt. Und er hat diesen Titel verdient gef\u00fchrt. Die Arbeit, die er in seinem Amt leistete, war einwandfrei. Weder Pr\u00e4sident Abdul Halim Sadulajew noch ich h\u00e4tten nachtr\u00e4glich einen Grund, anderweitige Anmerkungen \u00fcber ihn zu machen. Wir k\u00f6nnen best\u00e4tigen, dass er sich 24 Stunden am Tag seiner Arbeit hingab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit dem Tod von Medet hat das tschetschenische Volk einen w\u00fcrdigen Sohn und einen Patrioten, der tschetschenische Staat eine F\u00fchrungskraft und einen flei\u00dfigen Arbeiter verloren. Zudem l\u00e4sst sich feststellen, dass die tschetschenischen Asylsuchenden in der T\u00fcrkei einen Menschen verloren haben, der ihnen jederzeit zu Hilfe kam. Aber abgesehen von all dem habe ich einen vertrauensw\u00fcrdigen Freund verloren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Marsho: Es ist fast ein Jahr vergangen seit der Ermordung von Medet \u00d6nl\u00fc, aber die t\u00fcrkischen Beh\u00f6rden haben es nicht geschafft, den Auftragsm\u00f6rder und die Drahtzieher zu finden. Was denken Sie dar\u00fcber?<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Achmed Sakajew:<\/strong> Unsere Feinde haben in Medets Leben eingegriffen, wohl wissend, dass sie der gesamten tschetschenischen, nationalen Befreiungsbewegung einen schmerzhaften Schlag versetzen. Man behauptet, dass niemand unersetzbar ist. Im Fall von Medet behaupte ich jedoch, dass er unverzichtbar war f\u00fcr uns.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist eine Tatsache, dass die t\u00fcrkischen Beh\u00f6rden die M\u00f6rder von Medet nicht verhaftet haben und ich denke, dass die Politik hier eine Rolle spielt, da es von Anfang an f\u00fcr die Ermittler klar war, dass dieser Mord von Mitgliedern der russischen Geheimdienste begangen wurde, dem russischen Staat. Sie haben bereits alle Beweise gesammelt. Doch aufgrund des politischen Kalk\u00fcls schweigen die t\u00fcrkischen Beh\u00f6rden dar\u00fcber. Ich bin mir jedoch sicher, dass die t\u00fcrkischen Beh\u00f6rden einen Fehler begehen, solange sie die wahren Auftraggeber des Verbrechens nicht offenbaren. Keine wirtschaftlichen und politischen Interessen k\u00f6nnen wichtiger sein als das Leben der t\u00fcrkischen B\u00fcrger und das Leben derer, die Zuflucht in der T\u00fcrkei suchen. Es ist kein Geheimnis, dass in den letzten Jahren in der T\u00fcrkei politische Morde regelm\u00e4\u00dfig begangen wurden, und das hat dem Image des t\u00fcrkischen Staates sicherlich geschadet. Aber es ist ein Thema, \u00fcber das sehr lang diskutiert werden kann, und aus diesem Grund werde ich nicht n\u00e4her darauf eingehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Marsho: Herr Premierminister, m\u00f6chten Sie der Diaspora in der T\u00fcrkei eine Nachricht \u00fcbermitteln?<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Achmed Sakajew:<\/strong> Ich m\u00f6chte sagen, dass alle unsere Opfer, Verluste und Entbehrungen nicht umsonst sein werden und der Allm\u00e4chtige uns f\u00fcr unsere Geduld und unsere Standhaftigkeit belohnen wird. Ich zweifle keine Minute daran, dass Russland sich aus Tschetschenien und aus dem Kaukasus zur\u00fcckziehen wird, weil der Vektor der Entwicklungen in den globalen Prozessen sich unaufhaltsam in diese Richtung bewegt. Die Aggression gegen die Ukraine ist kein Akt des Russischen Reiches und keine Wiederbelebung seiner fr\u00fcheren Macht, sondern die letzten Zuckungen vor seinem Tod.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Insbesondere w\u00fcrde ich gerne an die tschetschenischen Jugendlichen appellieren, die in der T\u00fcrkei geboren und aufgewachsen sind, in der Emigration. Ich m\u00f6chte unsere jungen M\u00e4nner anregen, es ist ihnen nicht gestattet, sich in verschiedenen Konflikten als \u201eKanonenfutter\u201c zu verausgaben, sie m\u00fcssen ihre Zeit und Energie Studien widmen. Und wenn einer von ihnen das Milit\u00e4rwesen studieren m\u00f6chte, ist es am besten, dieses Wissen in den Milit\u00e4rakademien der T\u00fcrkei und in der hoch qualifizierten t\u00fcrkischen Armee zu erwerben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Marsho: Herr Premierminister, wir danken Ihnen f\u00fcr Ihre Zeit und Ihre Antworten.<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>*Das Interview erschien erstmalig in der tschetschenischen Monatszeitschrift &#8220;<a href=\"http:\/\/www.marshodergisi.blogspot.com\" target=\"_blank\"><strong>Marsho<\/strong><\/a>&#8220;. Es wurde von Waynakh Online \u00fcbersetzt.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Medet \u00d6nl\u00fc, Ehrenkonsul der Tschetschenischen Republik Itschkeria in der T\u00fcrkei, wurde am 22. Mai 2013 in seinem B\u00fcro erschossen. 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