{"id":5,"date":"2013-10-05T01:12:09","date_gmt":"2013-10-04T22:12:09","guid":{"rendered":"http:\/\/waynakh.com\/de\/?page_id=5"},"modified":"2014-03-04T15:43:12","modified_gmt":"2014-03-04T12:43:12","slug":"tschetschenen","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/waynakh.com\/de\/tschetschenen\/","title":{"rendered":"Tschetschenen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Die Tschetschenen nennen sich selbst <strong>Nochtschii<\/strong> (Singular Nochtschi oder Nochtscho), oder <strong>Nochtschiin gam<\/strong> (das tschetschenische Volk) und ihr <strong>Land Nochtschitsch\u00f6<\/strong> (buchst\u00e4blich: das tschetschenische Heim), <strong>Nochtschin mochk<\/strong> (das tschetschenische Land) oder <strong>Daimochk<\/strong> (Vaterland). Einige dieser Namen leiten sich vom Ethnonym und Toponym eines gro\u00dfen tschetschenischen Stammes ab, den Nochtschmechkachoi und deren Domizil in S\u00fcdost-Tschetschenien, welches auch Itschkeria genannt wird. Die erste Erw\u00e4hnung dieser \u201cUr\u201d-Gemeinde, den \u201cNachtschmateans\u201d, findet man in mittelalterlichen georgischen und armenischen Chroniken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit dem 8. Jahrhundert n. Chr. bezogen sich arabische Quellen in Georgien auf Tschetschenen mit einer Benennung, welche sie f\u00fcr eine Adoption aus dem Iranischen hielten f\u00fcr \u201cNochtschii\u201d. Russische Quellen verwendeten die Bezeichnungen \u201cTschetschene\u201d und \u201cTschetschenien\u201d erstmalig im 17. Jahrhundert n. Chr., vermutlich \u00fcbernommen aus dem kabardinischen \u201cScheschen\u201d (Betonung liegt auf der zweiten Silbe). Der \u00dcberlieferung nach wurde diese Bezeichnung verwendet, nachdem die russische Armee in Tschetschen-Aul am Fluss Argun besiegt wurde. Wie auch immer, die Bezeichnung \u201cTschetschene\u201d wurde bereits sehr fr\u00fch im Jahre 1692 in russischen Quellen verwendet und \u201cTschetschenien\u201d wurde bereits 1719 auf Nordkaukasus-Karten anzeigt, was die traditionellen Thesen widerlegt (N. G. Volkova 1973). Laut A. P. Berg\u00e9 (1991 [1859; 140]), trat der Ausdruck \u201cTschetschene\u201d erstmalig im Abkommen von 1708 zwischen den Russen und den Kalm\u00fccken auf. Aktuell werden f\u00fcr Tschetschenen die Ausdr\u00fccke \u201cTschetscheni\u201d oder \u201cTschetschentsi\u201d und f\u00fcr ihr Land \u201cTschetschnya (Tschetschenien)\u201d verwendet, welches unver\u00e4ndert ins Englische \u00fcbernommen wurde, obgleich tschetschenische Intellektuelle und Nationalisten (die Gem\u00e4\u00dfigten und \u201cNeutralen\u201d) \u201cTschetschenia\u201d oder gar \u201cTschetschenya\u201d bevorzugen. Die Georgier bezeichnen die Tschetschenen als \u201cTschetschnebi\u201d (Singular: \u201cTschetscheni), und nennen Tschetschenen wie auch Inguschen \u201cKistebi\u201d (Singular: Kisti). Die Tscherkessen sagen \u201cScheschen\u201d, die Osseten: \u201cTsetsen\u201d, die Avaren \u201cBurtitschi\u201d oder \u201cBurtiyaw\u201d, die Lesgier \u201cTschetschen\u201d, die Kumuken: \u201cMitschikisch\u201d oder \u201cMitschigisch\u201d, diesen Namen (\u201cMischchisch) verwenden auch die Tscherkessen f\u00fcr die Inguschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Nachen, Waynachen und Tschetschenen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Ausdruck \u201cNachen\u201d (Volk) bezieht sich auf die Tschetschenen, Kisten, Tsova-Tuschen (Batsi) und auf alle, die dem nachischen Sprachzweig des Nordost-Kaukasus angeh\u00f6ren und eine gemeinsame Abstammung und Kultur haben. In diesem Werk werden die Malchi (in einigen Quellen als separate, nachische Ethnie eingestuft) als eines der (divergierenden) tschetschenischen St\u00e4mme betrachtet. &#8220;Nache&#8221; bezeichnet auch die fr\u00fcheren Vorfahren der Tschetschenen angeblich seit der Trennung der Nachen von den anderen nord\u00f6stlichen Kaukasiern, aber konkreter seit der Mitte des ersten Millenniums v. Chr., als sie zuerst als &#8220;Nachos&#8221; in historischen Annalen Erw\u00e4hnung fanden, bis zum fr\u00fchen Mittelalter, als die nordkaukasischen Waynachen als eigenes Volk auftraten. &#8220;Waynache&#8221; bezieht sich auf die Gemeinschaft der heutigen Tschetschenen, verwandten Inguschen und Kisten. Es bezieht sich auch auf Tschetschenen in der Zeit vom Mittelalter bis zur Trennung von den Inguschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einem Ansatz zufolge begann die Trennung der Inguschen vom restlichen, tschetschenischen Volk im 17. Jahrhundert n. Chr. und wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts n. Chr. vollzogen. Der tschetschenische Historiker Ya. Achmadow (2002) nimmt an, dass die Inguschen zu Beginn des 18. Jahrhunderts aus der Waynachen-Gemeinschaft ausgeschw\u00e4rmt sind. Einer dritten Theorie zufolge wird eine separate inguschische Nationalit\u00e4t im sp\u00e4ten 19.\/fr\u00fchen 20. Jahrhundert erkennbar. Die ersten zwei Hypothesen sind eher im Einklang mit der Tatsache, dass die Inguschen eine gemeinschaftliche Entscheidung trafen, neutral eingestellt zu sein gegen\u00fcber den russisch-kaukasischen Kriegen, was ihre Unterscheidung akzentuierte. Auch findet man die zwei fr\u00fchesten Erw\u00e4hnungen der Inguschen in russischen Quellen in Werken von I. Shtelina und I. Georgi, jeweils in den Jahren 1770 und 1776.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie auch immer, ethnische Kennzeichnungen waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch unscharf. In vielen russischen Dokumenten des 18. Jahrhunderts wurde das Ethnonym \u201cTschetschenen\u201d f\u00fcr beide, Tschetschenen und Inguschen verwendet. 1870 schrieb der inguschische Schriftsteller Chakh Akhriev ein Werk \u00fcber inguschische, epische Geschichten entlehnt aus tschetschenischen Legenden. Im russischen Zensus des Jahres 1897 wurden Inguschen als eine der tschetschenischen St\u00e4mme bezeichnet. Seitens der tschetschenischen und inguschischen Intellektuellen wurden mehrere Versuche gestartet, den nationalen Zusammenhalt zu st\u00e4rken, zuletzt Anfang der 1920er &#8211; aber ohne Erfolg. Auch wenn der gattungsm\u00e4\u00dfige Ausdruck der \u201cWaynachen\u201d in den 1930ern noch verwendet wurde, hatte sich paradoxerweise eine separate inguschische Identit\u00e4t herausgebildet, die namentliche Trennung hatte sich bereits institutionalisiert, welches auf die Unterscheidung zwischen 2 \u201cV\u00f6lkern\u201d hinauslief. Gegenw\u00e4rtig ist es legitim, nach zeitgem\u00e4\u00dfer Auslegung \u00fcber 2 Nationalit\u00e4ten zu sprechen, vorbehaltlich der Tatsache, dass das letzte Kapitel in ihrer wechselseitigen Beziehung noch nicht geschrieben wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Haupts\u00e4chlich in einigen kulturellen Aspekten und ihrer Einstellung zu Russland gibt es auch eine wahrnehmbare Unterscheidung zwischen den Tschetschenen aus den Bergen und aus dem Flachland. Es wird jedoch nicht ausgesprochen und ist vielmehr das Ergebnis einer machiavellistischen Maxime.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Volkstum<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Tschetschenen haben sich demokratische Wege angeeignet, ihre soziale Struktur ist pluralistisch ausgepr\u00e4gt mit Ber\u00fccksichtigung ihrer Individualit\u00e4t. Bis zur russischen Eroberung hatte sich ein unabh\u00e4ngiges Volk gebildet mit einer eigenen Sprache und einem fest umrissenen Gebiet, und eigent\u00fcmlichen, obgleich stabilen, sozialen und politischen Strukturen basierend auf autonomen Klans mit gegenseitigen Unterst\u00fctzungsbeziehungen, die sich in gr\u00f6\u00dferen Stammesb\u00fcndnissen verbanden (die mit den Dialekten koinzidierten). Jeder Klan wurde von einem angesehenen Stammes\u00e4ltesten angef\u00fchrt und Entscheidungen wurden von einem gew\u00e4hlten Gremium oder per Volksabstimmung getroffen. Zu Beginn der russischen \u00dcbergriffe verschwanden die Feudalklassen und die soziale Unterscheidung musste auf hartem Wege verdient werden &#8211; durch die Erbringung au\u00dfergew\u00f6hnlicher Leistungen der Tapferkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Nationalismus, wie er (zumindest bei Ausbruch des Krieges mit Russland) durch die Tschetschenen und den anderen nordkaukasischen V\u00f6lker gelebt wurde, koinzidiert nicht g\u00e4nzlich mit dem westlichen Konzept, da sich beide unter unterschiedlichen Umst\u00e4nden entwickelten. Westliche Forscher sollten dies in Betracht ziehen, wenn sie ihre Methoden anwenden zur Messung des nordkaukasischen Nationalismus. Die Waynachen haben vor langer Zeit ein einzigartiges Markenzeichen zur nationalen Vereinigung erschaffen, das sichtbarste Merkmal waren die aufwendigen Warnsysteme der Wachtt\u00fcrme, die sich vom Vorgebirge bis zu den entferntesten Waynach-Bergsiedlungen ausbreiteten. Die soziale Struktur war derart, dass sich bei Wahrnehmung einer \u00e4u\u00dferen Gefahr alle gro\u00dfen Stammesverb\u00e4nde (Tukhums) nahtlos vereinten, angesichts der Bedrohung. Beziehungen der Tukhums untereinander wurden pr\u00e4zise ausbalanciert zwischen Distanzierung in Friedenszeiten (um so wenig Sand wie m\u00f6glich ins Getriebe zu streuen) und perfekter Synchronisierung und Harmonisierung, sobald es notwendig war. Somit gab es ein Bewusstsein f\u00fcr eine allumfassende ethnische Identit\u00e4t, die alle Stammesformationen einschloss. H\u00f6chstwahrscheinlich w\u00fcrde ein Au\u00dfenstehender diese Dimension \u00fcbersehen bei einer Betrachtung auf Mikroebene und die Mechanismen nicht bemerken, die sich in Bewegung setzen w\u00fcrden bei entsprechenden emotionalen Reizen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Tschetschene ist gefangen in einem Netz aus supranationalen, ethnischen, nationalen und Unmengen von subnationalen Identit\u00e4ten: Kaukasier, Bergbewohner, Nordkaukasier, Nordostkaukasier, Nache, Waynache, Nochtscho (Tschetschene), Mitglied eines Tukhums (Stammesverband), Taips (Klan), Auls (Dorf), Sub-Klans Vaer\/Gar\/Neqe und der \u201cGro\u00dffamilie\u201d Dooezal. Die Religion tr\u00e4gt ebenfalls zur komplexen Identit\u00e4t bei: Muslim, Sunnite, Schafiite, Sufi, Tariqa-Mitglied, Vird-Anh\u00e4nger (Vird ist eine Art der Dhikr-Aus\u00fcbung).<\/p>\n<p><b>\u00bb <a href=\"http:\/\/waynakh.com\/de\/tschetschenen\/wer-sind-die-tschetschenen\/\">Wer sind die Tschetschenen?<\/a><\/b><\/p>\n<p><b>\u00bb <\/b><a href=\"http:\/\/waynakh.com\/de\/tschetschenen\/tschetschenische-stammesverbande-tukhum-und-klans-taips\/\"><strong>Tschetschenische Stammesverb\u00e4nde (Tukhum) und Klans (Taips)<\/strong><\/a><\/p>\n<p><b>\u00bb <\/b><a href=\"http:\/\/waynakh.com\/de\/tschetschenen\/religion\/\"><strong>Religion<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Tschetschenen nennen sich selbst Nochtschii (Singular Nochtschi oder Nochtscho), oder Nochtschiin gam (das tschetschenische Volk) und ihr Land Nochtschitsch\u00f6 (buchst\u00e4blich: das tschetschenische Heim), Nochtschin mochk (das tschetschenische Land) oder Daimochk (Vaterland). 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