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Tschetschene sucht eine neue Heimat

Bereitgestellt von am Thursday, 25 September 2014.    86 views Kein Kommentar
Tschetschene sucht eine neue Heimat

Youssef ist aus politischen Gr├╝nden aus seiner Heimat geflohen. In Freiberg m├Âchte er Informatik studieren. Doch den Deutsch-Kurs kann er nicht allein bezahlen.

Freiberg. Aus politischen Gr├╝nden ist Youssef* vor einem Jahr aus seiner Heimat Tschetschenien nach Deutschland gefl├╝chtet. Seinen richtigen Namen und sein Gesicht m├Âchte er aus Angst nicht zeigen. Er sagt: “Ich m├Âchte unerkannt bleiben, weil ich mich bedroht f├╝hle. Ich m├Âchte keine zus├Ątzlichen Probleme bekommen.”

Der 22-J├Ąhrige stammt aus der Hauptstadt Grozny, in der er bereits drei Jahre Mathematik und Informatik studiert hat. In Tschetschenien habe der junge Mann aufgrund seiner politischen Einstellung Probleme bekommen, wie er sagt. “Zuhause war es lebensgef├Ąhrlich. Ich war politisch anderer Meinung und wurde von der Miliz bedroht, mit Worten und Waffen. Ich musste gehen,” erz├Ąhlt Youssef. Seine Eltern wussten von den Ausreisepl├Ąnen. “Ich habe ihnen gesagt, dass ich gehe, wenn sich eine M├Âglichkeit ergibt. Sie haben mein Vorhaben unterst├╝tzt,” so der 22-J├Ąhrige.

Mit etwas Geld, einem Rucksack, ein paar Kleidungsst├╝cken zum Wechseln, seinen Zeugnissen und seinem Handy ist Youssef zu Verwandten in die Ukraine getrampt. Freunde der Verwandten wollten mit dem Auto nach Deutschland und haben ihn mitgenommen. Auf die Frage, warum er gerade nach Deutschland wollte, antwortet er: “Ich dachte, Deutschland ist das erste Land wo Demokratie ist. Hier kann man eine eigene Meinung haben, und es ist Freiheit. Ich habe gehofft, dass ich hier besser verstanden werde.”

In Berlin stellte Youssef einen Asylantrag und wurde nach Chemnitz verwiesen. Nach eineinhalb Monaten wurde er in das Fl├╝chtlingsheim in Schneeberg verlegt, und seit Dezember letzten Jahres wohnt der Tschetschene im Freiberger Asylbewerberheim an der Chemnitzer Stra├če. Ab Oktober m├Âchte Youssef an der TU Bergakademie Angewandte Informatik studieren. Eine sogenannte bedingte Zulassung hat der junge Mann bereits erhalten, da er in seiner Heimat die erforderlichen zwei Jahre studiert hat. Voraussetzung f├╝r die Aufnahme des Studiums ist das erfolgreiche Bestehen der “Deutschen Sprachpr├╝fung f├╝r den Hochschulzugang ausl├Ąndischer Bewerber” (DSH). Daf├╝r muss der Asylbewerber den studienvorbereitenden Deutschkurs am Internationalen Universit├Ątszentrum der TU Bergakademie besuchen. Der sechsmonatige Kurs beginnt am 1.Oktober und kostet 1400 Euro. Da der politische Fl├╝chtling das Geld nicht alleine aufbringen kann, sucht er nach Unterst├╝tzern. “Ich hoffe, dass es klappt, und wenn es jetzt nicht geht, dann kann ich auch im Fr├╝hjahr in den Kurs einsteigen”, sagt Youssef, der seit diesem Monat Deutsch am Freiberg-Kolleg lernt. Durch das Asylbewerberleistungsgesetz erh├Ąlt der junge Mann monatlich 329 Euro, mit denen er seine Verpflegung, Kleidung, Telefonkosten sowie einen Rechtsanwalt, der sich um das Asylverfahren k├╝mmert, bezahlt. “Ich teile mir das Geld ein, es reicht aber gerade so”, sagt Youssef. Bisher hat er 300 Euro f├╝r den Deutschkurs gespart, 340 Euro sind bereits durch Spenden ├╝ber den Arbeitskreis Ausl├Ąnder und Asyl Freiberg zusammengekommen.

Kornelia Metzing, Vorsitzende des Arbeitskreises, w├╝rde Youssef den Deutsch-Kurs gern erm├Âglichen. “Wir unterst├╝tzen jeden Asylbewerber, besonders diejenigen, die sich durch Bildung einen eigenen Lebensunterhalt erwirtschaften m├Âchten”, sagt Metzing. “Ich m├Âchte unbedingt Deutsch lernen, an der Universit├Ąt studieren und mich in die Gesellschaft integrieren”, beschreibt Youssef seine Lebensziele. Sein Traum: “Meinen Hochschulabschluss schaffen und meine Familie wiedertreffen.”

*Name von der Redaktion ge├Ąndert

Wer Youssef unterst├╝tzen m├Âchte, kann sich an den Arbeitskreis Ausl├Ąnder und Asyl Freiberg, Kornelia Metzing, Hornstra├če 25 in Freiberg, Ruf 03731 355089, wenden.

erschienen am 25.09.2014 ( Von Esther Sarah Wolf )

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