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Waynakh Online: “SchlieĂźt euch der Bewegung an und werdet Teil des Widerstands!”

Bereitgestellt von am Saturday, 26 October 2013.    31 views Kein Kommentar
Waynakh Online: “SchlieĂźt euch der Bewegung an und werdet Teil des Widerstands!”

Die in der TĂĽrkei ansässige BĂĽrgerorganisation “Caucasus Forum” interviewte Board-Mitglieder von Waynakh Online.

Das Interview können Sie hier lesen:

Waynakh.com ist eine wichtige und aktive Webseite, die sich auf die tschetschenischen Belange während des zweiten Russisch-Tschetschenischen Krieges, die noch andauernde russische Besatzung wie auch die Menschenrechtsverletzungen, die sich in der Region ausbreiten, konzentriert. Zurzeit bietet die Webseite türkisches, englisches, französisches und deutsches Material an und hat eine sehr umfangreiche Sammlung an aktuellen Nachrichten, Urteilen des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, Videos und kulturellen Informationen. Hier veröffentlichen wir für Sie das Interview mit den Board-Mitgliedern, die ihre Arbeit jahrelang unermüdlich fortgesetzt haben.

Caucasus Forum: Waynakh Online wurde im Jahre 2000 gegrĂĽndet. Wie kamen Sie zu dem Entschluss, eine solche Webseite zu errichten?

Waynakh Online: Im Jahre 1991 hat das tschetschenische Volk seine Unabhängigkeit und Souveränität erklärt, indem es von seinem Selbstbestimmungsrecht Gebrauch gemacht hat. Die imperiale Russische Föderation konnte dies jedoch nicht “verdauen” und besetzte das tschetschenische Territorium. Eine Gruppe alter, tschetschenischer Diaspora-Mitglieder beschloss, in Aktion zu treten, da die tschetschenische Problematik zunehmend von inkompetenten Menschen fĂĽr ihre eigenen Zwecke missbraucht wurde, es keine ausreichenden, tĂĽrkischen und englischen Quellen gab. Es war auch an der Zeit, sich der äuĂźerst rigorosen Desinformationspolitik der russischen Seite zu widersetzen. Auch hegten wir den Wunsch, die tschetschenische Kultur vorzustellen. Der wichtigste Grund jedoch war unser Wunsch, am gerechten Kampf teilzuhaben und im Angesicht der Tyrannei der russischen Armee in unserem Heimatland nicht zu schweigen. Im Jahre 2000 haben wir unter den damaligen Bedingungen “Waynakh Online” gegrĂĽndet, auf dem kostenlosen Hosting Service der “Waynakh.cjb.net”. Im Jahre 2005 sind wir dann umgezogen zur “Waynakh.com“-Domain, wo wir bis heute unsere Webseite betreiben.

Caucasus Forum: Auf der Webseite werden hauptsächlich Tagesnachrichten über Menschenrechte und Aktivisten veröffentlich. Unglücklicherweise überwiegen Meldungen über Repressionen gegen die Verteidiger. Können wir daraus schließen, dass Sie die aktuellen Nachrichten aus Tschetschenien regelmäßig verfolgen? Investieren Sie viel Zeit, um diese Webseite zu pflegen?

Waynakh Online: Es gibt einige Veränderungen in der Politik des imperialen Russlands in Bezug auf den Krieg, der jahrelang andauerte. Die russischen Besatzungsmächte und ihre lokalen Kollaborateure, die die schmutzige Arbeit fĂĽr Russland verrichten, bombardieren nicht mehr wahllos Wohngebiete. Sie fĂĽhren jedoch gezielt einen verdeckten Krieg gegen die Zivilbevölkerung in der Region. Es finden eindeutige Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen bei diesen Praktiken statt. Dieser verdeckte Krieg wird ermöglicht durch das zum Schweigen bringen der unabhängigen Medien und Regimekritiker – um jeden Preis. Die Zivilbevölkerung wird unter dieser immensen Angst zermĂĽrbt. Das Leben der Menschen, denen es gelingt, Wahrheiten ĂĽber die von den Russen besetzte Tschetschenische Republik Itschkeria durchsickern zu lassen, ist in Gefahr. Es handelt sich dabei um Menschenrechtsaktivisten oder um Opfer und deren Verwandte, die den Mut aufbringen zu äuĂźern, was tatsächlich geschieht – auch wenn sie wissen, was ihnen nach der Veröffentlichung zustoĂźen könnte. Aus diesem Grund haben wir direkte Kontakte hergestellt zu den Menschenrechtsaktivisten, die in der von Russland besetzten Tschetschenischen Republik Itschkeria oder in Europa leben. Somit können wir aktuelle Ereignisse schneller publizieren. Es ist sehr schwer, teuer und mĂĽhsam, eine Webseite wie Waynakh Online up-to-date zu halten. Aber wir beschweren uns nicht darĂĽber.

Caucasus Forum: Wie Sie erwähnten, möchte Russland kritische Stimmen nicht hören. Sind Sie davon ebenfalls betroffen?

Waynakh Online: Natürlich sind wir davon betroffen. Russland führt seine legalen und illegalen Aktionen aus, um imperiale Ziele zu erreichen – und das nicht nur in ihrem eigenen Territorium oder in den besetzten Ländern, sondern in der ganzen Welt. Das Außenministerium der Russischen Föderation hatte sich im Jahre 2007 tatsächlich offiziell an das Außenministerium der türkischen Republik gewendet mit der Bitte, Waynakh Online abzustellen und die Betreiber strafrechtlich zu verfolgen. Dabei haben sie sich auf eine Kooperationsvereinbarung zum Thema Terrorismus zwischen der Türkei und Russland berufen. Das Büro des Generalstaatsanwalts von Istanbul hat umgehend Ermittlungen aufgenommen in dieser Sache. Als Teil dieser Ermittlungen wurden die Board-Mitglieder von Waynakh Online eingesperrt und von der Abteilung zur Terrorismusbekämpfung der Polizeidirektion Istanbul verhört. Im Laufe des Verhörs haben die Polizeibeamten zugegeben, dass sie kein illegales Material auf den Seiten finden konnten. Aber sie haben empfohlen, das Hosting der Webseite in ein anderes Land zu verlegen und einige Artikel zu entfernen, die sie für kritisch hielten. Aus Mangel an Beweisen wurde die Ermittlungsakte geschlossen, aber der Druck seitens des türkischen Geheimdienstes erhöhte sich auf Betreiben der Russen. Deshalb haben wir zuallererst den Provider gewechselt, von der Türkei nach Finnland und danach in die Vereinigten Staaten. Somit konnten wir die Versuche, die Waynakh Online Webseite stillzulegen, unterbinden. Kürzlich haben Repräsentanten des pro-russischen tschetschenischen Regimes versucht, die Domain mit großzügigen Angeboten zu kaufen. Als sie eine negative Antwort erhielten, haben sie ihre “Vorschläge” auf ihre eigene Art übermittelt. Wie Sie sich vorstellen können nehmen der Druck der Russen und die DDoS-Angriffe kein Ende. Aus diesem Grund verlangen die Provider exorbitante Preise für Ihre Dienstleistungen. Zudem hat der sogenannte Bürgermeister Grosnys des pro-russischen Regimes, Muslim Khuchiyev, uns 2009 auf einem Event in Istanbul öffentlich gedroht. Wie auch immer, nicht nur russische und türkische Behörden, auch solche Personen, die die tschetschenische Sache zu ihren eigenen Gunsten ausnutzen, haben uns mehrere Male direkt gedroht.

Caucasus Forum: Es ist interessant, dass Sie Druck aus der Türkei bekommen. Abgesehen von den Angriffen auf die Seite, wurde Ihnen auch schon persönlich gedroht?

Waynakh Online: Wir haben Schwierigkeiten damit, die Einstellung der Türkei zu verstehen, da sie es bevorzugt, ihre Augen vor einigen radikalen Komponenten zu verschließen, jedoch gegen eine Gruppe vorgeht, die rechtmäßig handelt und für Menschenrechte kämpft. Wir könnten die Einstellung der MIT (türkischer Geheimdienst) als psychologischen Angriff werten, es gibt jedoch keine Garantie für ihr Verhalten in der Zukunft. Die anderen Drohungen, von denen wir sprachen, richteten sich durchaus auch direkt an die Board-Mitglieder.

Caucasus Forum: Wie ist die Situation aktuell? Es gibt einen Aufruf auf Ihrer Webseite “Unterstütze deine Seite”, erregt diese Aufmerksamkeit? Werden Sie durch amerikanische Firmen gehostet?

Waynakh Online: Unser Aufruf erregt Aufmerksamkeit, aber nicht materiell. Es hat uns im moralischen Sinne jedoch motiviert. Wir haben viele Nachrichten von Befürwortern erhalten. Vor einem Jahr haben wir unseren eigenen Server angemietet bei einem bekannten, amerikanischen Unternehmen und wir setzen unsere Veröffentlichungen über diesen Server fort. Unser Handlungsspielraum wurde größer, nachdem wir auf unseren eigenen Server umgezogen sind. Wir haben das “World Chechnya Day Project” (WorldChechnyaDay.org) übernommen und versuchen nun, es zu entwickeln. Davon abgesehen bieten wir auch kostenlose Hosting Services an für einige andere Projekte, einschließlich Maskhadov.com und www.ChechenTragedy.com.

Caucasus Forum: Kadyrow versucht bei Journalisten und Intellektuellen den Anschein zu erwecken, dass das Leben in Tschetschenien normalisiert wurde. Glauben Sie, dass die tschetschenische Diaspora in der TĂĽrkei beeinflusst wird von diesen Ăśberzeugungsversuchen?

Waynakh Online: Das Ziel des pro-russischen Regimes oder eher gesagt des imperialen Russlands ist die öffentliche, türkische Meinung und die alte tschetschenische Diaspora, deren Festungen nicht gefallen sind. Es gibt selbsternannte “Journalisten” und “Intellektuelle”, die dahingehend schreiben und Nachrichten verbreiten, dass Tschetschenien in Rosen gebettet sei. Es ist unbestritten, dass es einige positive Entwicklungen gibt, was die Lebensbedingungen der von Russland besetzten Tschetschenischen Republik Itschkeria betrifft – verglichen zu den Anfangszeiten des Krieges. Diese Veröffentlichungen sind jedoch freigegeben vom pro-russischen Regime und haben die Intention, den Blick auf die tschetschenische Angelegenheit zu verschleiern. Wie auch immer, keiner dieser Namen hatte jemals Kontakt zu Menschenrechtsorganisationen in Tschetschenien, noch zu Opfern oder Verwandten von Opfern. Sie haben schlichtweg keine Ahnung vom wahren Leben in der von Russland besetzten Tschetschenischen Republik Itschkeria. Sie sprechen jedoch in hohen Tönen über die Maskerade. Damit sind ihre Veröffentlichungen nicht mehr als armselige Propaganda. Die Einstellung der alten, tschetschenischen Diaspora in der Türkei hat sich seit Jahren nicht geändert. Die Menschen würden ein Ende des Krieges begrüßen. Aber sie sind ganz klar gegen den Besatzungsregime und seine Präsidenten. Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich einige Menschen in der Türkei näher zum pro-russischen Regime in unserem besetzten Heimatland fühlen oder dieses Regime gar unterstützen. Das ist für uns nicht besorgniserregend.

Caucasus Forum: Sie werden Ihre Arbeit auf Ihrer Waynakh Webseite fortsetzen. Möchten Sie etwas zu Ihren Lesern oder Ihrem Volk sagen, die Sie gerne unterstützen möchten?

Waynakh Online: Waynakh Online setzt sich für eine unabhängige Tschetschenische Republik Itschkeria ein, es repräsentiert jedoch nicht die Ansichten einer Organisation oder sonstiger Gruppierungen. Es ist eine unabhängige Institution. Diese Webseite ist unsere Webseite, unserer aller Webseite, solange die Unterstützung dieser Webseite fortgeführt wird, wird auch Waynakh Online bestehen bleiben. Aus diesem Grund: Setzt euch für eure Webseite ein. Teilt mit uns Informationen und Dokumente, über die ihr verfügt. Teilt mit uns die Materialien auf Waynakh Online, gebt die Quellen an, helft uns, unseren Einfluss zu vergrößern, indem ihr Waynakh Online in eurem engsten Kreis promotet. Schließt euch der Bewegung an und werdet Teil des Widerstands.

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